Aufsichtsrat lehnt Gewerkschaftsvorschlag ab : Rettungsversuch bei Neckermann gescheitert

Paketlösung. Foto: dpa
Paketlösung.Foto: dpa

Frankfurt am Main - Ein von den Arbeitnehmervertretern vorgeschlagenes Konzept zur Sanierung des angeschlagenen Versandhändlers Neckermann ist gescheitert. Der Aufsichtsrat habe den Vorschlag mehrheitlich abgelehnt, sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef Thomas Schmidt am Freitag. Damit nimmt der geplante drastische Stellenabbau immer konkretere Formen an. Die Angestellten sollen nun am kommenden Dienstag auf Betriebsversammlungen über die Entscheidung informiert werden.

Kernforderung der Arbeitnehmervertreter war, die Logistiksparte in Frankfurt mit rund 870 Beschäftigten nicht zu schließen, sondern für stationäre Händler zu öffnen. Außerdem wollten die Verdi-Vertreter den Handel mit Textileigenmarken erhalten. Das Sanierungskonzept der Geschäftsführung sei unrealistisch, weil es gleich in mehreren Punkten auf falschen Annahmen beruhe. „Ich glaube, dass man insgesamt die Konzepte noch einmal korrigieren muss“, sagte Wirtschaftsprüfer Günter Stolz, den Verdi mit der Überprüfung des Neckermann-Sanierungsplans beauftragt hat. Alles in allem handele es sich um ein „Schrumpfkonzept, das nicht perspektivträchtig ist“, erklärte Stolz.

Es sei zum Beispiel nicht schlüssig, wieso die Geschäftsführung den Onlinehandel in zwei gute Bereiche (Technik sowie Möbel & Heimtextilien) und einen schlechten (Textilien) unterteile, wo doch auch in den guten Bereichen das Wachstum rückläufig sei, heißt es in dem Konzept. Ein eigenständiges Textilsortiment sei dagegen gut geeignet, um von den zweistelligen Wachstumsraten im Onlinehandel mit Kleidung zu profitieren.

Die Verdi-Vertreter forderten, die Logistiksparte zu erhalten und für andere Anbieter zu öffnen. Neckermann könne so den Versand und Retouren für andere Einzelhändler übernehmen. Das eigentliche Problem der Logistik sei, dass die Kapazität nur zur Hälfte genutzt werde, erklärte Wolfgang Thurner, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef Schmidt nannte die nun vom Aufsichtsrat durchgewunkene Sanierung eine soziale Katastrophe. Neckermann hatte Ende April bekanntgegeben, von den 2500 Stellen 1380 zu streichen. Das 1950 gegründete Versandhaus gehört dem US-Finanzinvestor Sun Capital. Davor war es zusammen mit der großen Schwester Quelle und den Karstadt-Warenhäusern unter dem Dach des Handelskonzerns Arcandor gewesen, bis dieser in die Pleite rutschte.

Der Handel per Internet mache fast 80 Prozent des Umsatzes aus und sei im ersten Quartal um 30 Prozent gewachsen, erklärte Neckermann. Dagegen sei der Umsatz im Kataloggeschäft um knapp 50 Prozent eingebrochen.dapd

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben