Aufsichtsratsbeschluss : Stahlkonjunktur hilft ThyssenKrupp

Dank der anziehenden Stahlkonjunktur kann sich ThyssenKrupp über eine Steigerung des Vorsteuergewinns um 72,5 Prozent freuen. Zudem beschloss der Aufsichtsrat, den Bau eines Kraftwerks in Amerika zu prüfen.

Düsseldorf - Der Industriekonzern ThyssenKrupp profitiert von der wieder anziehenden Stahlkonjunktur. Der Vorsteuergewinn aus dem fortgeführten Geschäft stieg in dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um 72,5 Prozent auf 773 Millionen Euro. Das sei das beste Ergebnis seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999, betonte das Unternehmen am Freitag. Der Umsatz wuchs um elf Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Angesichts der anziehenden Nachfrage und der wieder steigenden Preise im Stahlgeschäft zeigte sich der Konzern zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf.

Unterm Strich fiel der Überschuss allerdings im zweiten Quartal um fast 59 Prozent auf 441 Millionen Euro und halbierte sich im gesamten ersten Halbjahr auf 696 Millionen. In den Vorjahreszahlen war der Gewinn aus einem Immobilienverkauf enthalten, betonte der Konzern. Die Preise am globalen Stahlmarkt waren Mitte vergangenen Jahres wegen Überproduktion stark gesunken, jetzt setzt wieder eine deutliche Erholung ein.

In diesem Jahr enthielt das ThyssenKrupp-Quartalsergebnis auch einen Beitrag von 142 Millionen Euro im Zusammenhang mit der nicht durchgeführten Übernahme des kanadischen Stahlherstellers Dofasco sowie eine außerplanmäßige Abschreibung von 49 Millionen Euro im Bereich Automotive.

Als Alternative zur noch blockierten Übernahme von Dofasco beschloss der Aufsichtsrat am Freitag, den Bau eines Stahlwerks mit einer Jahresleistung von 4,5 Millionen Tonnen im nord- und mittelamerikanischen Raum zu prüfen. Erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zu dieser rund 1,8 Milliarden Euro teuren Investition sollen dem Aufsichtsrat im August vorgestellt werden. ThyssenKrupp hatte den Kampf um Dofasco gegen Arcelor verloren, soll das kanadische Unternehmen aber bekommen, falls Arcelor selbst von Branchenführer Mittal Steel übernommen wird.

Wegen des weltweiten Stahlbooms beschloss das Kontrollgremium zudem, die Jahreskapazität eines in Brasilien geplanten Stahlwerks von bisher 4,4 Millionen Tonnen auf 5 Millionen Tonnen zu erhöhen. Der Aufsichtsrat gab Grünes Licht für das rund 2,4 Milliarden Dollar teure Werk. Es sichere mit Brammenlieferungen von zwei Millionen Tonnen auch die Vollauslastung der deutschen Verarbeitungsbetriebe, berichtete ThyssenKrupp.

Operativ erwartet das Unternehmen in dem bis Ende September laufenden Geschäftsjahr weiter hohe Gewinne. «Auf Grundlage der sehr guten Leistung im ersten Halbjahr streben wir an, beim Ergebnis vor Steuern - ohne wesentliche Sondereffekte - unsere neue mittelfristige Zielgröße von zwei Milliarden Euro zu überschreiten», sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz in Düsseldorf. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Wert von 978 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,2 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verbesserte sich auf 24,3 Milliarden Euro von 22 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Halbjahresumsatz legte um knapp zehn Prozent auf 22,73 Milliarden Euro zu.

Haupttreiber des Stahlbooms seien nach wie vor China und die übrigen Schwellenländer, positive Entwicklungen werde es aber auch in anderen Regionen geben. Für das laufende Jahr werde ein Anstieg der Weltrohstahlproduktion um 6 Prozent auf 1,2 Milliarden Tonnen erwartet. In Deutschland rechnet das Unternehmen mit einem Niveau von deutlich mehr als 45 Millionen Tonnen. Die ThyssenKrupp-Aktie gehörte zu den Tagesgewinnern und legte zeitweise um rund 4,5 Prozent zu. (tso/dpa)

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