AUFSPALTUNG : Entweder Netz oder Produktion

Neelie Kroes gilt nicht unbedingt als gute Freundin der großen Energieversorger. Die EU-Kommissarin für Wettbewerb will sie dazu zwingen, ihre Leitungsnetze einem unabhängigen Betreiber zu überlassen. Das sei „Enteignung“, klagen nicht nur die deutschen Konzernchefs. Noch wehren sie sich erfolgreich gegen das, was im Fachjargon „Ownership Unbundling“ heißt; noch besitzen die führenden deutschen Energieversorger fast sämtliche Netze, durch die der Strom zu den Kunden fließt. Ein neutraler Netzbetreiber, so argumentiert die EU-Kommission, hätte ein stärkeres Interesse, Strom, egal welchen Anbieters, durch die Netze zu jagen. Das würde den Preiswettbewerb anheizen. In Großbritannien, wo Netz und Produktion bereits getrennt sind, liegen die Preise um 31 Prozent unter den deutschen. Neben mehr Wettbewerb will Kroes mit ihren Plänen den Ausbau der Netze sichern, um eine langfristige Versorgung zu gewährleisten. Ob irgendwann der Staat, private Betreiber oder beide zusammen die Hoheit über die Netze bekommen, ist noch nicht klar. Deutsche Politiker sind skeptisch gegenüber den EU-Plänen. Sie versuchen es mit einer Anreizregulierung. Ab 2009 soll diese die Energieversorger zwingen, ihre Netzkosten zu senken. Der günstigste Betreiber soll dann den Maßstab für alle Betreiber setzen.liw

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