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Aufteilung von Kaiser's Tengelmann : Rewe bekommt rund 60 Filialen in Berlin

Die Berliner Kaiser's-Filialen werden aufgeteilt. Aber noch sind sich Rewe und Edeka nicht über den Kaufpreis einig.

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Das Ringen um die Ketten Kaiser's und Tengelmann zieht sich seit fast zwei Jahren hin. Foto: Wolfram Kastl/dpa
Das Ringen um die Ketten Kaiser's und Tengelmann zieht sich seit fast zwei Jahren hin.Foto: Wolfram Kastl/dpa

Nun also doch: Nach langen, zähen Verhandlungen haben sich Rewe und Edeka am Dienstag über die Aufteilung der Kaiser’s-Filialen in Berlin geeinigt. Nach Tagesspiegel-Informationen übernimmt Rewe, die Nummer zwei der Branche, rund 60 Filialen mit einem Gesamtumsatz von 300 Millionen Euro brutto.

Ein wichtiger Fortschritt

"Das ist ein wichtiger Fortschritt“, sagte ein Insider dem Tagesspiegel. Allerdings sind zentrale Punkte noch ungeklärt. So haben sich Rewe und Edeka bisher weder auf den Kaufpreis verständigt, den Rewe für die Märkte zahlen soll, noch über die Übernahme von Lasten. Vor allem die Kaiser’s Tengelmann-Filialen in Nordrhein-Westfalen schreiben rote Zahlen, zudem stellt sich die Frage, was mit den Fleischwerken und der Tengelmann-Zentrale in Mühlheim an der Ruhe geschieht. „Bis zum Ende der Verhandlungen können noch einige Tage vergehen“, erfuhr der Tagesspiegel aus Insiderkreisen.

Rewe bekommt Filialen in Berlin

Rewe und Edeka bestätigten die Vereinbarung. Sie basiert auf dem Schlichterspruch von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der die Rivalen an einen Tisch geholt und Ende Oktober eine Grundsatzvereinbarung auf den Weg gebracht hatte. Danach soll Rewe Kaiser’s-Filialen in Berlin bekommen, Edeka soll die Läden in Bayern erhalten. Was mit den sonstigen Unternehmensteilen wird, ist noch zu klären.
Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will seine defizitäre Supermarktkette seit mehr als zwei Jahren an den Marktführer Edeka verkaufen. Das Bundeskartellamt hatte das Geschäft wegen der Marktmacht Edekas untersagt. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte den Deal mit Blick auf die rund 15.000 Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann erlaubt, Edeka jedoch vorgeschrieben, die Jobs fünf Jahre erhalten zu müssen. Gegen die Ministererlaubnis hatten Rewe und andere Handelsunternehmen erfolgreich vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf geklagt. Das Problem: Die Ministererlaubnis kann erst dann wirksam werden, wenn Rewe seine Klage zurückzieht. Das, so hat Rewe-Chef Alain Caparros jedoch von Anfang an deutlich gemacht, geht nicht ohne Gegenleistung von Edeka.

Rewe will in Berlin wachsen

Vor allem die gut 120 Berliner Filialen mit ihren 5600 Beschäftigten haben es Caparros, der am liebsten selbst das gesamte Unternehmen Kaiser’s Tengelmann gekauft hätte, angetan. Rewe will sich an der Spree verstärken. Der Plan scheint jetzt aufzugehen. Allerdings kann der Branchenzweite nur Filialen in den Kiezen übernehmen, in denen Rewe nicht schon selbst stark ist. Sonst droht ein neuer Konflikt mit dem Bundeskartellamt. Was die Sache jedoch erleichtert: Rewe kauft – juristisch gesehen – die Märkte nicht von Kaiser’s, sondern auf Grundlage der Ministererlaubnis und damit vom Marktführer Edeka.

Edeka klagt gegen Rewe

Wie am Dienstag weiter bekannt wurde, dreht Edeka jetzt bei einer anderen Übernahme den Spieß um. Rewe will die Handelskette Coop übernehmen, das Bundeskartellamt hat das Geschäft – wenngleich mit einigen Auflagen – genehmigt. Gegen das grüne Licht der Wettbewerbsbehörde zieht Edeka nun vor Gericht und hat Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt. Ob Edeka-Chef Mosa das nur als Druckmittel in den Verhandlungen mit Caparros benutzt hat oder Ernst macht mit der Blockade Rewes, bleibt abzuwarten.

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