Auftragslage : Rückschlag für die Industrie

Die Industrie muss nach mehr als einem halben Jahr mit wachsendem Auftragsbestand erstmals wieder ein Minus verkraften. Im Vergleich zum September gingen die Bestellungen im Oktober um 2,1 Prozent zurück, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte.

Carsten Brönstrup
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Berlin - Die Regierung sieht dennoch keinen Grund zur Besorgnis. Die Erholung der Industrie werde sich bis Ende Dezember „mit abgeschwächter Dynamik“ fortsetzen, schreiben die Beamten von Minister Rainer Brüderle (FDP) . Zuvor waren die Aufträge nach dem Ende der Rezession sieben Monate in Folge gestiegen.

Insbesondere die schwächere Auslandsnachfrage (minus 3,5 Prozent), vor allem aus dem Euro-Raum, und weniger Nachfrage nach Investitionsgütern (minus 4,5 Prozent) machten dem Verarbeitenden Gewerbe zu schaffen. Auch aus dem Inland (minus 0,5 Prozent) gab es weniger Bestellungen. Fachleute führen dies auf die gesunkene Nachfrage nach Autos zurück. „Hier wirkt offenbar die Abwrackprämie immer noch nach“, kommentierte Commerzbank-Ökonom Simon Junker. Die Sonderzahlung war im September ausgelaufen. Rechne man die Autobranche heraus, sähen die Zahlen zum Auftragseingang wesentlich besser aus, erklärte er.

Auch die Metall- und Elektroindustrie, mit Abstand wichtigster Wirtschaftszweig des Landes, verzeichnete im Oktober weniger Aufträge – sie kam auf 2,6 Prozent weniger Aufträge als im September, wie der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mitteilte. „Die Krise ist noch lange nicht bewältigt“, hieß es. Um das Niveau vor der Krise zu erreichen, müssten die Bestellungen um gut ein Drittel steigen. Für das vierte Quartal sieht die Commerzbank dennoch einen „ordentlichen Zuwachs“ bei der Industrieproduktion. „Die Erholung ist noch nicht vorüber, aber sie hat noch einen weiten Weg vor sich“, sagte Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank.

Im Mittelstand hat sich die Stimmung stark verbessert. Ein entsprechendes Barometer der KfW-Bankengruppe und des Ifo-Instituts stieg im September den achten Monat in Folge. Der Index habe erstmals seit anderthalb Jahren wieder das Normalniveau erreicht, teilte die KfW mit. „Die Erholung ist nach tiefem Fall zumindest intakt“, befand Chefvolkswirt Norbert Irsch.

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