Aufwärtstrend : Die Welt kauft in Berlin ein

Die wirtschaftliche Erholung gewinnt offenbar noch weiter an Fahrt. Um 2,5 Prozent könnte die Wirtschaft der Hauptstadt 2010 wachsen – weil der Export so gut läuft.

Carsten Brönstrup
Gute Zeiten. Berlin hat das Vorkrisenniveau schon wieder erreicht – andere Bundesländer noch längst nicht.
Gute Zeiten. Berlin hat das Vorkrisenniveau schon wieder erreicht – andere Bundesländer noch längst nicht.Foto: dpa

Berlin - Nach dem Ende der Wirtschaftskrise wird das Bruttoinlandsprodukt der Hauptstadt in diesem Jahr wieder kräftig wachsen. Von einem Plus von 2,5 Prozent gehen die Konjunkturexperten der Investitionsbank Berlin (IBB) aus. Damit knüpfe die Berliner Wirtschaft wieder an das Niveau vor Beginn des weltweiten Einbruchs an, heißt es in der neuen IBB-Prognose vom Montag. Die Konjunktur habe sich „vor dem Hintergrund des gesamtdeutschen Aufschwungs in den letzten Monaten weiter gefestigt“, erklärte das landeseigene Unternehmen.

Bislang hatte die IBB nur einen Zuwachs von 1,7 Prozent vermutet. Nun deuteten aber die positiven Frühindikatoren darauf hin, „dass die wirtschaftliche Erholung noch weiter an Fahrt gewinnt“. Gleichwohl bliebe Berlin mit einem Wachstum von 2,5 Prozent deutlich unter dem Bundesschnitt. Den veranschlagen die großen Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten auf 3,5 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Hauptstadt mit einem Minus von nur 0,7 Prozent noch sehr viel besser als das übrige Bundesgebiet abgeschlossen – hier ging es um 4,7 Prozent abwärts. Das liegt vor allem daran, dass die Exportwirtschaft bundesweit eine wichtigere Rolle spielt als an Spree und Havel. Nachfrage-Schwankungen im Welthandel machen sich entsprechend stärker bemerkbar, im Guten wie im Schlechten.

Als „sehr erfreulich“ wertete Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) die Aussichten. „Anders als im Bund wird Berlin das Vorkrisenniveau wieder deutlich übersteigen“, sagte er dem Tagesspiegel. Wolf erhöhte die Wachstumsprognose von bislang 1,5 auf nun zwei Prozent.

Nicht immer konnte Berlin so gute Kennzahlen präsentieren. Nach der Wende schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Stadt fast beständig. Zwischen 2004 und 2009 konnte die Stadt dann aber stärker wachsen als alle anderen Bundesländer. Auch für die kommenden Jahre sind die Aussichten gut – das geht aus mehreren Studien hervor, etwa der Unternehmensberatung McKinsey, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC oder des Instituts Prognos.

Als Stütze des Aufschwungs stuft die IBB vor allem das Verarbeitende Gewerbe ein. Im Juli etwa habe die Industrie 23 Prozent mehr Aufträge eingesammelt. Anders als im Rest der Republik habe sich der Aufwärtstrend der Industrie zuletzt sogar noch beschleunigt. Dies dürfte eng mit der starken Nachfrage aus dem Ausland zusammenhängen: Um 16,6 Prozent seien die Ausfuhren in den ersten sieben Monaten gestiegen – die IBB spricht von einem „massiven Exportboom“. Gute Geschäfte gebe es vor allem mit Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch aus der Bauwirtschaft kommen wieder gute Nachrichten. In den ersten sieben Monaten dieses Jahren hätten die Unternehmen zwei Drittel mehr Aufträge für sich verbucht. Weiter auf Wachstumskurs ist auch der Tourismus: Bis Ende Juli kamen fünf Millionen Besucher in die Hauptstadt, gut zehn Prozent mehr als im Krisenjahr 2009.

Als Manko sieht die IBB aber die Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Viel zu hoch“ sei die Quote der Jobsuchenden im September von 13,2 Prozent gewesen – im Bundesschnitt waren es nur 7,2 Prozent. Allerdings wachse auch die Beschäftigung mit einem stärkeren Tempo als in anderen Regionen Deutschlands.

2011 schickt sich Berlin an, mit dem Bund in puncto Wachstum wieder gleichzuziehen. Dann werde das BIP um zwei Prozent zulegen, heißt es bei der IBB weiter. Das liegt auf einer Linie mit den Vorhersagen anderer Institute und Banken für den Bund.

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