Auktion der Bundesnetzagentur : Netzagentur versteigert Frequenzen

Die Netzagentur hat Frequenzen für 5,1 Milliarden Euro versteigert: Ab 2018 soll ganz Deutschland schnell im Internet surfen können.

Michel Penke
Antennen für Mobilfunk und UMTS stehen auf dem Dach eines Hochhauses am Kieler Blücherplatz. Auf der Auktion der Bundesnetzagentur wurden begehrte Frequenzen versteigert.
Antennen für Mobilfunk und UMTS stehen auf dem Dach eines Hochhauses am Kieler Blücherplatz. Auf der Auktion der Bundesnetzagentur...Foto: Carsten Rehder/dpa

Es war eine der ertragreichsten Auktionen von Mobilfunkfrequenzen im Europa der vergangenen Jahre. Für einen Preis von insgesamt 5,1 Milliarden Euro ersteigerten nach einem dreiwöchigen Bieterwettkampf die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica neue Frequenzen für den Ausbau des schnellen mobilen Internets in Deutschland, teilte die Bundesnetzagentur am Freitag mit. Für Handynutzer ist damit ein weiterer Grundstein für mobiles Turbosurfen in den kommenden Jahren gelegt. Der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann erklärte: „Es sollte den Unternehmen möglich sein, nun zügig Investitionen in den flächendeckenden Netzausbau zu tätigen.“

Bund will in den Breitbandausbau investieren

Zum ersten Mal in Europa kamen bei der Versteigerung Frequenzen aus dem Bereich 700 Megahertz (Digitale Dividende II) unter den Hammer. Derzeit werden diese noch vom Rundfunk genutzt, sollen in den kommenden Jahren mit seiner Umstellung auf DVB-T2 aber freigeräumt werden. Diese Frequenzen, die sich besonders für den Einsatz in ländlichen Regionen eignen und deshalb sehr begehrt waren, werden nun Schritt für Schritt bis 2019 vollständig für den Mobilfunk nutzbar gemacht.

Die Erlöse der Mobilfunkauktion fließen zum großen Teil an den Bund. Der muss sich aber einen Betrag von 1,33 Milliarden Euro, den die Unternehmen für Frequenzen der digitalen Dividende II und aus dem Bereich 1500 Megahertz ausgegeben haben, mit den Ländern teilen. Die drei Bieter zeigten sich zufrieden mit dem Auktionsergebnis. Während Telekom und Telefónica für die Nutzungsrechte 1,8 Milliarden beziehungsweise 1,2 Milliarden Euro zahlen müssen, war die Auktion für Vodafone mit 2,1 Milliarden Euro am teuersten. Bei einigen Frequenzblöcken bestand für Vodafone allerdings Nachholbedarf, sodass mit dem Auktionsergebnis alle Anbieter ähnlich gut mit Frequenzen ausgestattet sind.

Die Bundesagentur hatte es zur Bedingung gemacht, dörfliche Regionen flächendeckend ans Internet anzuschließen. Die drei Konzerne haben sich mit dem Kauf verpflichtet, bundesweit 98 Prozent der Bevölkerung mit schnellem Internet zu versorgen. Für Kunden bedeutet das, dass sie, egal welchen Anbieter sie nutzen, von dem Breitbandausbau gleichermaßen profitieren können. Funklöcher sollen spätestens ab 2018 bundesweit geschlossen sein.

Das Internet der Dinge wird zu erhöhtem Datenfluss führen

Die Mobilfunkanbieter standen vor der Auktion unter erheblichem Druck. Der Boom von Smartphones und Tablets wird die derzeit vorhandenen Kapazitäten in den nächsten Jahren an ihre Grenzen stoßen lassen. Mehr Platz im Funknetz ist für die großen drei also entscheidend. Zumal mit dem entstehenden Internet der Dinge auch bald Kühlschränke, Autos und Toaster massenhaft Daten über das Internet übertragen werden. Stünden dann nicht genug Kapazitäten zur Verfügung, käme es zu Staus auf den Datenautobahnen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will den Auktionserlös, der dem Bund zufließt, in den Ausbau des Glasfasernetzes stecken. Ein Vorhaben, das bei der spanischen Telefónica auf Kritik stößt. Denn das käme überproportional der Deutschen Telekom zugute, die mehr als die anderen auf Festnetz setzt. Kritik kommt auch aus dem Mittelstand. Im Vorfeld der Auktion hatte der Branchenneuling Liquid Broadband geklagt, die hohen Einstiegsgebote machten es Newcomern unmöglich, im Markt Fuß zu fassen. Ein Teil des Auktionsangebots solle deshalb allein für Markteinsteiger ausgeschrieben werden, forderte das Unternehmen. Die Bundesnetzagentur hatte sich dieser Forderung jedoch verweigert und auch das Verwaltungsgericht Köln wies einen entsprechenden Antrag zurück. Somit nahmen nur drei Wettbewerber teil. Bei der letzten Auktion vor fünf Jahren hatten noch vier Bieter 4,4 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. 2000, bei der ersten großen Versteigerung, flossen dem Bundesfinanzminister 50,8 Milliarden Euro für alle Frequenzen zu. (mit dpa)

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