Wirtschaft : Aus dem Gleis gesprungen

ANTJE SIRLESCHTOV

Die internationale Firmenwelt steht Kopf.Kaum ein Tag vergeht, an dem kein Fusionsgerücht aus den Vorstandsetagen quillt.In atemberaubender Eile, so scheint es, ordnet sich die globalisierte Unternehmenslandschaft vollständig neu.Nicht immer mit Erfolg.Siehe Adtranz.Keine drei Jahre sind vergangen, seit aus AEG Daimler wurde und aus ABB und Daimler der Schienfahrzeugbauer Adtranz erwuchs - und schon zahlen die Stuttgarter ihren Partner ABB wieder aus.Wer hält dieses Tempo durch ? Das Unternehmen offenbar nicht und auch seine Mitarbeiter nicht.Verlustreiche Bilanzen, zermürbende Strukturkonferenzen und wütende Mitarbeiter bestimmen den Alltag der Hennigsdorfer seit langem.Wie kaum ein anderer Fusionsfall gerät der Berliner Schienenfahrzeugbauer Adtranz zum Symbol für die Schwierigkeiten, die hinter der Neuordnung großer Konzerne stehen.Allzu rasch werden strategisch sinnvolle Allianzen am grünen Tisch geschmiedet - noch größer, noch globaler, noch effektiver.Doch was folgt auf den Notartermin ? Adtranz will es bis heute nicht gelingen, die vielen Unternehmenskulturen, die im Konzern zuerst künstlich verflochten wurden, auch wirklich zusammenzuführen.Nicht einmal die Führung im Unternehmen und die Vertreter der Gesellschafter im Aufsichtsrat waren offenbar bereit, die vielen verschiedenen Betriebe in 22 Staaten unter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen.Differenzen und unternehmenspolitische Macht- und Postenspiele bestimmten die Tagesordnung.Darauf folgte, was menschlich ist: Fehler in der technischen Produktentwicklung, Qualitätsmängel in der Fertigung und immer wieder Krach mit den Kunden.Daß die Betriebsergebnisse enttäuschen, war nicht anders zu erwarten.Bleibt zu hoffen, daß der Eigentümer DaimlerChrysler Adtranz eine Chance zur Integration verschafft.

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