Wirtschaft : Aus dem Schwarzwald aufs Parkett

Der Außenbeleuchter Hess will an die Börse. Dabei setzt er auf Privatanleger.

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Frankfurt am Main - Es ist zwar kein großer Börsengang, aber immerhin der zweitgrößte des Jahres in Deutschland. Bis zu 53 Millionen Euro will das Beleuchtungsunternehmen Hess AG aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald mit seinem Schritt aufs Parkett erlösen – etwa ein Zehntel dessen, was der Versicherer Talanx in der abgelaufenen Woche einsammelte. In einer Spanne von 20 bis 23 Euro haben die Banken den Preis für die Aktien festgelegt, die bis 17. Oktober gezeichnet werden können. 2,3 Millionen Anteilscheine gibt das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung aus, weitere 345 000 Papiere werden die Altaktionäre bei entsprechender Nachfrage abstoßen. Am 19. Oktober soll die Aktie das erste Mal an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Es wäre das sechste Unternehmen, das dort 2012 in den Prime Standard aufrückt.

Hess-Vorstandschef und Miteigentümer Christoph Hess lässt keine Zweifel, dass der Schritt auf das Börsenparkett gelingt. „Das ist ein ganz besonderer Tag für unser Unternehmen“, sagte er am Montag in Frankfurt. Mit 360 Mitarbeitern im Schwarzwald, im sächsischen Löbau und in Gaffney im US-Bundesstaat South Carolina gilt Hess als führend im Bereich Außenbeleuchtung und bietet seine Produkte in über 50 Ländern an. Mehrere bekannte Gebäude weltweit sind mit Hess-Leuchten ausgestattet – in Deutschland etwa die Berliner O2-World.

Nach Auskunft des Unternehmens und der Landesbank Baden-Württemberg, die den Börsengang organisiert, werden besonders auch Privatanleger angesprochen. Aktuell liegen die Aktien zu 71,4 Prozent bei der Gründerfamilie. Nach dem Börsengang sollen 50,7 Prozent der Anteile breit gestreut sein. Den Erlös will Hess vor allem in den Markt für energiesparende LED-Systeme investieren. Das Volumen des relevanten Marktes werde von derzeit 55 bis zum Jahr 2020 auf 83 Milliarden Euro wachsen, dabei soll allein das LED-Segment jährlich um ein Drittel auf 57 Milliarden Euro zulegen, erwartet Hess. Die Firma steigerte den Umsatz in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 14 Prozent. 2011 waren es sogar 30 Prozent auf 68,1 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen stieg um knapp 94 Prozent auf 5,6 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2012 kletterte der Umsatz um weitere 39 Prozent auf 38,6 Millionen Euro, der Gewinn lag bei rund einer Million Euro. Trotz des Gewinns will Hess erst in zwei Jahren eine Dividende zahlen. Die Expansion habe Vorrang. Dabei setzt das Unternehmen auch auf eine strategische Kooperation mit Osram. Rolf Obertreis

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