Wirtschaft : Aus der Bahn gedrängt

Ursula Weidenfeld

Es hat lange gedauert. Infineon-Chef Ulrich Schumacher schien einer der wenigen Manager zu sein, der die Krise der New Economy überleben sollte. Dem Mann schien nichts passieren zu können: Der sportliche Börsengang, als Schumacher im März 2000 mit einem Porsche an der Frankfurter Börse vorfuhr, wurde zwar als unglücklich empfunden. Vor allem, als die Kurse später einbrachen. Doch der Mutterkonzern Siemens war bereit, das als Jugendsünde des taffen Managers zu entschuldigen. Auch das Mantra von den Chip-Preisen, die bald wieder steigen sollten, verziehen ihm die Aktionäre – obwohl die Nachfrage nach den Chips jahrelang nicht anzog und die Preise und damit der Gewinn von Infineon im Keller blieben.

Zu stark schienen die Haben-Argumente für Schumacher zu sein: Der Mann packte an und scheute sich in dem jungen Unternehmen nicht vor radikalen Maßnahmen. Er investierte erfolgreich in die Chipproduktion in Dresden. Er baute das Unternehmen radikal um – weg von den preissensiblen Speicherchips und hin zu den stark gefragten Bauteilen für die mobile Kommunikation. Schumacher war selbstherrlich, aber erfolgreich. Kritiker hatte der Infineon-Chef genug, nur waren sie ohne Chance.

Als Schumacher aber im vergangenen Jahr zur Radikalkur schritt, gab es den großen Krach: Die Konzernzentrale werde notfalls ins Ausland verlagert, einzelne Management-Funktionen dahin verlegt, wo die Kosten am günstigsten seien, beschloss Schumacher. Der Aufsichtsrat war ganz anderer Meinung. Erst recht die Betriebsräte und Gewerkschafter. Diese Allianz hat Schumacher jetzt aus der Bahn gedrängt. Der forsche Chip-Manager ist gescheitert. An sich selbst.

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