Aus der Krise geboren : Die US-Notenbank Fed wird 100

Am 23. Dezember 1913 wurde in den USA die Notenbank Federal Reserve gegründet. Ihre Chefs mussten über die Jahrzehnte viele Krisen meistern

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Spitzenkräfte: Fed-Chef Ben Bernanke (ganz rechts) ab. Er sitzt hier mit Alan Greenspan zusammen. Foto: AFP
Spitzenkräfte: Fed-Chef Ben Bernanke (ganz rechts) ab. Er sitzt hier mit Alan Greenspan zusammen.Foto: AFP

Die Geschichte der amerikanischen Notenbank beginnt mit einer Finanzkrise. Während der großen Panik von 1907 stürzen die Aktienkurse an der Wall Street ein. Die Amerikaner verlieren das Vertrauen in die Banken: Sie wollen ihr Erspartes zurück – und zwar sofort. Das Bankensystem gerät ins Wanken – nur das Eingreifen eines New Yorker Bankiers namens John P. Morgan verhindert Schlimmeres. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, lädt Senator Nelson W. Aldrich drei Jahre später eine Reihe von Staatsbeamten und Spitzenbankern zum Geheimtreffen auf eine kleine Insel im US-Staat Georgia ein. Ihre Mission: die Gründung einer Zentralbank. Doch es dauert weitere drei Jahre, bis ihr Vorschlag den Senat passiert. An diesem Montag feiert die Federal Reserve (Fed) ihren 100. Geburtstag.

Dass der Plan für die Gründung der Fed im Geheimen ausgeheckt wurde, lag vor allem daran, dass er in Washington stark umstritten war. Manche fürchteten, eine zentrale Notenbank könnte die Macht der Wall Street noch weiter ausdehnen. Außerdem hatte es bereits zuvor zwei gescheiterte Versuche gegeben, eine solche Institution ins Leben zu rufen.

Bereits 1791 hatte der Kongress die „First Bank“ (Erste Bank) der Vereinigten Staaten gegründet. Doch ihre Einrichtung war so umstritten, dass sich im Kabinett unter Präsident George Washington neue politische Fronten bildeten. Dieser Streit um die Notenbank führte schließlich sogar zur Bildung des Zweiparteiensystems. Nach 20 Jahren war das Experiment, eine zentrale Notenbank einzurichten, schon wieder gescheitert. Auch die „Second Bank“ – 1816 gegründet, um die unhaltbare Inflation einzudämmen – existierte keine zwei Jahrzehnte. Präsident Andrew Jackson schaffte sie wieder ab. Seine Begründung: Sie sei zu elitär. „Wenn Gesetze es schaffen, die Reichen reicher zu machen und die Mächtigen mächtiger, dann haben die bescheidenen Mitglieder der Gesellschaft – die Bauern, Mechaniker und Arbeiter – ein Recht, sich über die Ungerechtigkeit ihres Staates zu beschweren“, meinte er.

Die Neue: Janet Yellen. Foto: dpa
Die Neue: Janet Yellen.Foto: dpa

Heute gilt die Fed als mächtigste Notenbank der Welt

Die heutige Fed, am 23. Dezember 1913 ins Leben gerufen, muss nicht mehr um ihre Existenz bangen. Sie gilt mittlerweile als die mächtigste Notenbank der Welt. Ihre Vorsitzenden haben die Wirtschaft der USA durch die Weltwirtschaftskrise gesteuert, durch Kriege und rund ein Dutzend Rezessionen. Weitgehend unabhängig von der Politik kontrolliert und reguliert sie die Banken und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe. Ihre Hauptziele sind eine möglichst hohe Beschäftigung und stabile Preise.

Geprägt wird die Fed vor allem durch ihre Vorsitzenden. Namen wie Paul Volcker (1979 bis 1987), Alan Greenspan (1987 bis 2006) und Ben Bernanke (seit 2006) sind nicht nur Wirtschaftskennern ein Begriff. Alle Fed-Chefs hatten mit ihren eigenen Krisen zu kämpfen und über ihre Leistungen streiten Wissenschaftler und Historiker leidenschaftlich. Über Volcker heißt es, seine massiven Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation hätten das Land 1980 in eine Rezession gerissen. Greenspan wird vorgeworfen, er habe 2007 die Immobilienblase, die zur Finanzkrise führte, übersehen. Und Bernanke muss sich anhören, als Reaktion darauf mit seiner Politik des ultrabilligen Geldes überreagiert zu haben.

Anfang 2014 übernimmt mit Janet Yellen erstmals eine Frau den Posten an der Spitze der Fed. Auf die Ökonomin wartet eine große Aufgabe. Sie muss die Notenbank aus einem beispiellosen Krisenmodus zurück in die Normalität führen. Unter Bernanke hat die Fed die Wirtschaft gestützt, indem sie am Markt im großen Stil Anleihen gekauft und so Geld in den Markt gepumpt hat. Erst diese Woche hat der Fed-Chef angekündigt, das Anleihekaufprogramm ab Januar langsam zurückzufahren.

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