Wirtschaft : Aus der Krise ziehen

Portugal ist Marktführer bei der Korkherstellung

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Vom Baum
Vom BaumFoto: picture-alliance / gms

Lissabon - Der Ruf Portugals ist angeschlagen. Das Land plagen enorme Haushaltsschulden und es wird erwartet, dass Portugal 2011 ebenfalls unter den Euro-Rettungsschirm muss. Aber es ist nicht alles schlecht, was aus diesem Krisenland kommt. Denn wenn zur Jahreswende die Sekt- und Champagnerkorken knallen, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass diese Flaschenverschlüsse aus Portugal stammen. Mit 50 Prozent Marktanteil ist das Land am Atlantik uneingeschränkt globaler Champion bei der Korkherstellung. Annähernd zwei Drittel aller Naturkorken für Wein- und Sektflaschen stammen aus Portugal, dessen weite Korkeichenwälder vor allem die Region Alentejo prägen. „Das Land der Korkeichen“ wird Portugal auch genannt, weil dieser Baumwuchs rund ein Viertel des gesamten nationalen Waldbestandes ausmacht.

Und da der Korkanbau, im Gegensatz zu anderen Agrar- und Forstsektoren, zudem als naturschonend gilt, werben Europäische Kommission und Umweltverbände für den Einsatz dieser Pfropfen. „Der Naturkorken ist mehr als ein guter Flaschenverschluss: Er ist Produkt einer jahrhundertealten und ökologisch nachhaltigen Landnutzung in den Korkeichenwäldern Südeuropas, mit der ein einmaliger Lebensraum erhalten wird“, sagt Olaf Tschimpke, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland.

In der Tat wird für die Produktion kein Baum gefällt. Vielmehr wird die dicke Eichenrinde wie eine Bananenschale alle neun bis zehn Jahre abgeschält, ohne dass dabei der Stamm zu Schaden kommt. Die mächtigen Korkeichen, deren Wälder Rückzugsgebiet für bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind, können bis zu 20 Meter hoch und 250 Jahre alt werden. Die Entdeckung dieser Flaschenverschlüsse, von denen Portugal jedes Jahr rund zehn Milliarden produziert, verdankt die Welt den Klosterbrüdern. Sie nutzten schon vor Jahrhunderten den Kork, um ihre Weinflaschen zu schließen.

Es kommt aber auch beim Kork auf die Qualität an. Ein schlechter oder verunreinigter Naturkork kann den besten Tropfen in der Flasche „korkig“ machen und verderben. Gute Naturkorken ermöglichen durch Luftaustausch die Reifung hochwertiger Rotweine in der Flasche. Dazu muss die Weinflasche aber liegen, damit der Korken nicht austrocknet. Grundsätzlich versucht man, geringe Rindequalitäten gleich auszusortieren und zu Bodenbelägen, Tapeten, Schuhsohlen, Rettungsringen oder Dämmmaterial zu verarbeiten.

Aber auch Portugals Korkindustrie macht sich Sorgen um die Zukunft und ist zunehmend in Katerstimmung. Denn Kunststoffpfropfen und vor allem Aluminiumdrehverschlüsse sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie sind in der Herstellung weitaus billiger und werden von den Winzern zunehmend für einfache Weine, die nicht lange lagern müssen, genutzt. Und das ist nicht gut für Portugals Korkbauern. Es ist aber auch schlecht für die Umwelt, weil der Naturkorken „die beste CO2-Bilanz aller Flaschenverschlüsse hat und sich problemlos recyceln lässt“, wie Nabu-Chef Tschimpke vorrechnet. Und es ist ein wahrer Graus für die Puristen unter den Weinfreunden, für die das Entfernen eines Naturkorkens mit einem stilvollen Korkenzieher am Anfang eines jeglichen Weingenusses steht – und nicht das schnöde Aufdrehen eines Schraubverschlusses. Ralph Schulze

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