Wirtschaft : Aus ehemals Verbündeten werden Widersacher

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Aus den ehemaligen Verbündeten Vodafone-Airtouch und Mannesmann sind Widersacher geworden, die nun mit großem Aufwand um die Gunst der Aktionäre werben. Jetzt geht es darum, wer seine Vision für die Zukunft besser verkaufen kann. Dabei haben die Anteilseigner die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Strategien: Vodafone konzentriet sich auf den Mobilfunk und ist in diesem Bereich schon Weltmarktführer, hat aber in Europa nur auf dem britischen Markt eine starke Position. Mannesmann bietet dagegen die gesamte Palette der Telekommunikationsleistungen aus einer Hand, konzentriert sich aber auf den europäischen Markt.

Viele Experten sind der Ansicht, dass Sprach-Kommunikation in Zukunft weitgehend mobil sei wird. Daneben werde es aber für die Datenströme in die Haushalte und in die Unternehmen immer auch Bedarf an Festnetzverbindungen geben, sagt Telekommunikationsexperte Mathias Plica vom gleichnamigen Münchner Marktforschungsinstitut. "Es ist riskant, sich per se dem großen Markt im Festnetz zu verschließen", sagt er. Von den drei Bereichen Festnetz, Mobilfunk und Internet komme zur Zeit die höchste Wertschöpfung aus dem Mobilfunk. Aber wer das Pflichtprogramm Festnetzanschluss und Datenverkehr über Glasfaser nicht abieten könne, der laufe Gefahr, auch den wertvollen Mobilfunkkunden zu verlieren. "Vodafone bietet seinen Kunden ein Handy - und das wars", sagt Plica. Für alle weiteren Dienste muss sich der Kunde einen anderen Anbieter suchen. Aber gerade viele große Konzerne sind daran interessiert, ihren gesamten Daten- und Telekommunikationsbedarf in eine Hand zu geben.

Beide Unternehmen sind mit ihrer jeweiligen Strategie bisher sehr erfolgreich gewesen, sagt Analyst Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. "Wir wissen aber nicht, welche techischen Änderungen noch kommen oder ob Datenkommunikation in Zukunft eher fest oder mobil sein wird", sagt Hallmann. "Mit der Strategie, beide Plattformen anzubieten, hat Mannesmann ein gutes Argument gegen diese Unsicherheit."

Sollte es Mannesmann gelingen, die Übernahme durch Vodafone abzuwehren, sei die Unabhängigkeit des Konzerns vorerst gerettet, sagt Plica. Wenn Vodafone morgen gehe, stehe nicht übermorgen der nächste Herausforderer vor der Tür. "Die möglichen anderen Interessenten schauen sich das ganze erstmal genau an. Mancher wird sich sicher von der politischen Komponente abschrecken lassen."

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