Aus für Magnetschwebebahn : Transrapid: Union wirft Wirtschaft Unfähigkeit vor

Nach dem Scheitern der Münchner Transrapid-Pläne weisen sich Politiker gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Magnetschwebebahn zu - und kritisieren die Wirtschaft scharf. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp dementiert unterdessen Spekulationen über einen Verkauf der Transrapid-Technik nach China.

Transrapid
Das Transrapid-Werk von Thyssen-Krupp in Kassel. -Foto: ddp

MünchenAm Donnerstag hatten die Verantwortlichen die Notbremse gezogen: Nachdem die Schätzungen für die Baukosten der Transrapid-Strecke zwischen dem Münchner Flughafen und Hauptbahnhof von ursprünglich 1,85 Milliarden Euro auf nun 3,4 Milliarden Euro kletterten, verkündete Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) das Aus für das Prestige-Projekt.

Nun werfen sich Politiker gegenseitig die Schuld für das Scheitern der Magnetschwebebahn zu -  und kritisieren zugleich die Rolle der Wirtschaft. Die Politik müsse sich auf die Kalkulationen der Industrie, die noch im Herbst viel niedriger lagen, verlassen können, sagte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) der "Passauer Neuen Presse": "Höchstrangige Wirtschaftsvertreter geben so eine Zusage doch nicht blauäugig ab." CDU-Finanzexperte Steffen Kampeter sagte der "Berliner Zeitung": "Die Industrie wollte offensichtlich kein Leuchtturmprojekt, sondern Kasse machen."

Unionskritik aus den eigenen Reihen

Der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Klaas Hübner, hielt wiederum der bayerischen Landesregierung Versäumnisse vor. "Beckstein und Stoiber haben ungeschickt agiert", sagte Hübner. "Die Strategie der Landesregierung, dem Bund immer mehr Kosten aufzuladen, ist nicht aufgegangen." Sogar aus den eigenen Reihen musste Beckstein Vorhaltungen einstecken. "Dem Ministerpräsidenten dürften die neuen Zahlen sehr gelegen gekommen sein. Anders ist die Hals-über-Kopf-Entscheidung nicht erklärbar", sagte der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, der "Süddeutschen Zeitung".

Die Grünen kritisierten unterdessen auch den Bundesverkehrsminister. "Tiefensee hat sich viel zu lange von der Industrie und Bayern vorführen lassen", sagte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn der "Berliner Zeitung". FDP-Chef Guido Westerwelle sieht das Aus für die Magnetschwebebahn in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" als "Ausdruck einer deutschen Krankheit namens Technologieskepsis".

Auch der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) bedauerte das Scheitern des Transrapids. "Es ist ein Armutszeugnis, dass wir das nicht hinkriegen", sagte der FDP-Vizevorsitzende. "Man hätte die Umsetzung dieser Technologie vor 20 Jahren auf die Schiene setzen müssen." Er verlangte, die für das bayerische Projekt nicht mehr benötigten staatlichen Fördermittel weiter in die Erforschung moderner Verkehrstechnologien zu investieren. Die Umsetzung müsse dann aber rascher erfolgen. 

Thyssen-Krupp: "Wir glauben weiter an die Technologie"

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat unterdessen Spekulationen über einen Verkauf der Antriebstechnologie nach China zurückgewiesen. "Wir glauben weiter an die Technologie und konzentrieren uns jetzt auf China", sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag in Essen mit Blick auf die geplante Verlängerung der Strecke in Schanghai. "Wir dementieren den Ausverkauf." Damit reagierte sie auf einen Bericht des Internetmagazins "Welt Online".

Unter Berufung auf Unternehmenskreise hatte es berichtet, Thyssen-Krupp wolle in den kommenden Wochen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung über einen Transfer beginnen. Thyssen-Krupp stellt in dem Konsortium das Antriebssystem bereit, an dem die Chinesen besonders interessiert seien. Möglich seien sowohl eine Lizenzvergabe, bei der die 220 Arbeitsplätze in Kassel erhalten bleiben könnten, als auch ein vollständiger Verkauf, hieß es in dem Bericht.

Die Transrapid-Strecke in der chinesischen Metropole Schanghai ist bisher - abgesehen von der Teststrecke im Emsland - die einzige weltweit. Gegen die Pläne für eine Erweiterung gibt es massive Proteste von Anwohnern, die unter anderem Lärmbelästigungen durch die Magnetschwebebahn fürchten. (jam/dpa/ddp/AFP)

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