Wirtschaft : Aus Klingeltönen soll Musik werden

Nach dem Ausstieg der Gründer startet Jamba mit neuen Angeboten im Internet. Zusätzliche Mitarbeiter braucht die Firma nicht

Corinna Visser

Berlin - Die Berliner Klingeltonfirma Jamba will nach der Gründung eines eigenen Fernsehsenders nun auch in das Online-Musikgeschäft einsteigen. „Wir entwickeln Jamba mehr und mehr zu einem digitalen Entertainment-Portal“, sagt der neue Geschäftsführer des Berliner Unternehmens, Markus Berger-de León, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Im ersten Quartal 2006 werden wir mit unserem Musik-Downloadportal online gehen“, kündigt er an. Künftig werde sich die Firma nicht mehr rein auf mobile Inhalte konzentrieren.

Der 32-jährige Berger-de León ist seit Oktober Chef bei Jamba. Zu dem Zeitpunkt sind die Firmengründer, die Brüder Oliver und Marc Samwer, überraschend aus der Geschäftsführung ausgeschieden. Jamba ist Marktführer bei Klingeltönen und die zweite erfolgreiche Gründung der Samwers. 1999 hatten sie bereits ihr Auktionshaus Alando – hundert Tage nach der Gründung – für 50 Millionen Dollar an Ebay verkauft. Im Frühjahr 2004 erwarb dann der US-Konzern Verisign Jamba von Debitel, Media-Markt/Saturn, Electronic Partner und den Samwer-Brüdern für 273 Millionen Dollar (223 Millionen Euro). Nach dem Verkauf an Verisign sagten die Samwers eigentlich zu, Jamba längerfristig zur Verfügung zu stehen. Aber inzwischen haben sie anders entschieden. „Die Samwers sind Unternehmer, sie wollen selbstständig sein“, sagt Berger-de León. Details über die Pläne verrät er nicht.

In diesem Jahr startete Jamba eine eigene Mobilfunkmarke im E-Plus-Netz und seit Anfang Oktober betreibt die Firma einen eigenen Fernsehsender. Jamba-TV ist ein Shopping-Kanal für Handyspiele, Klingeltöne und Musik, der über Satellit ausgestrahlt wird. „Die Zahl der Zuschauer ist noch klein“, sagt Berger-de León. „Aber die Anzahl der Bestellungen stimmt – und darauf kommt es an.“ Zahlen nennt er nicht.

Großen Erfolg hatte Jamba vor allem mit der Figur „Crazy Frog“. „Damit haben wir völlig neue Zielgruppen für mobile Inhalte erschlossen“, sagt Berger-de León. „In der Londoner City haben sich alle Banker den Klingelton auf ihr Handy geladen.“ Das Durchschnittsalter der Jamba-Kunden liege derzeit bei etwa 28 Jahren. „Klingeltöne laufen gut.“ Auch die Tatsache, dass MTV die Ausstrahlung von Werbung für Klingeltöne eingeschränkt habe, sei kein Problem. „Das hat nicht zu Umsatzrückgängen geführt“, sagt Berger-de León. Seit Anfang November wirbt Jamba gar nicht mehr auf MTV. „Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht. Aber das kann sich wieder ändern.“

Experten rechnen mit einem weiter starken Wachstum im Geschäft mit mobiler Musik. Derzeit sind es vor allem Klingeltöne. „Dass Jamba in den Markt für Musik- Downloads einsteigt, macht Sinn“, sagt Frank Mackenroth von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC). „Handys haben immer mehr Speicherkapazität und entwickeln sich zu multimedialen Alleskönnern.“ PwC erwartet, dass 2005 in Deutschland für Mobilmusik 240 Millionen Euro ausgegeben werden, 2009 sollen es bereits 720 Millionen Euro sein.

„2005 war ein sehr erfolgreiches Jahr, was die Zahlen betrifft“, sagt Berger-de León. „Gleichzeitig gab es aber große Herausforderungen im Geschäft.“ Unter anderem ist Jamba heftig von Verbraucherschützern angegriffen worden – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien und der Schweiz. Der Vorwurf: Die – meist jugendlichen – Kunden glauben, sie kaufen einen Klingelton, schließen aber unbemerkt ein Abonnement ab. Die Firma steht auf dem Standpunkt, in der Werbung und bei Abschluss des Vertrags per SMS ausreichend auf die Vertragsbedingungen hinzuweisen. „Zudem sind unsere Abos jederzeit fristlos kündbar.“ Am Dienstag kündigte Jamba eine Kindersicherung an: Eltern können jetzt Handynummern für sämtliche Jamba-Dienste sperren lassen.

520 Mitarbeiter beschäftigt die im Jahr 2000 gegründete Firma derzeit in Berlin. Doch so stark wie in der Vergangenheit werde die Zahl der Mitarbeiter nicht mehr wachsen. „Wir gehen ständig neue Themen an, auf der anderen Seite werden wir effizienter – diese Effekte laufen gegeneinander“, sagt Berger-de León. Da Jamba seine Produkte in immer mehr Ländern anbiete, werde aber der Bedarf an neuen Mitarbeitern im Ausland steigen. Dass man nun der Start-up-Phase entwachsen sei, zeige sich auch am neuen Firmensitz: Jamba ist aus den Fabriketagen in Kreuzberg in das Dom- Aquarée nach Mitte gezogen.

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