Wirtschaft : Aus Sprintern werden Marathonläufer

DÜSSELDORF / MÜNCHEN (jojo/um/HB).Die Euphorie der Fußball-Weltmeisterschaft ist längst vorüber: Im Juli war Adidas als einer der Hauptsponsoren des Sportspektakels in Frankreich in aller Munde.Die Aktie kletterte weit über die 300-DM-Marke.Inzwischen hat Adidas mehr als ein Drittel an Wert verloren und reiht sich damit in das schwache Abschneiden der anderen großen Sportartikelhersteller an der Börse ein.Denn trotz Aktienbooms sind die Papiere von Puma und Nike in den vergangenen zwei Jahren massiv eingebrochen.Am Freitag kam es für Puma noch einmal besonders dick: Nach der Ankündigung eines kräftigen Gewinneinbruchs in den ersten neun Monaten gab die Aktie zunächst um mehr als zehn Prozent nach.

Die Gründe für die negative Entwicklung bei Puma liegen sowohl auf der Kosten- als auch auf der Einnahmenseite.Die Asienkrise hat dafür gesorgt, daß die Lizenz- und Provisionserträge auf 31,5 (39,1) Mill.DM zurückgingen.Belastet wird das Konzernergebnis aber auch durch die unbefriedigende Ertragsentwicklung in Deutschland.Ein Nachfrageeinbruch sei Schuld daran, daß sich die höher gesteckten Erwartungen nicht erfüllt haben.Auch die größen Konkurrenten, Adidas und Nike, leiden unter der Konsumschwäche, insbesondere in Asien.Während sich der Adidas-Umsatz in den USA verdoppelte und in Europa noch um gut ein Drittel kletterte, fielen die Verkäufe in Asien im dritten Quartal um 1,6 Prozent.

Den größten Einbruch mußte Nike, die Nummer eins auf dem Weltmarkt, hinnehmen.Im ersten Quartal brachen die Umsätze in Asien um 46 Prozent ein.In Japan ging der Absatz sogar um mehr als die Hälfte zurück.Nike reagierte prompt: In der Region sollen 300 Stellen abgebaut werden.Bereits im Frühjahr hatte Nike angekündigt, 1600 Arbeitnehmer zu entlassen, sieben Prozent seines weltweiten Personals.

Puma will ebenfalls beim Personal den Hebel ansetzen.Frei werdende Stellen sollen nicht mehr besetzt werden.Darüber hinaus hat der Vorstand die Restrukturierung des heimischen Geschäfts angekündigt.Puma Deutschland wird ein eigenes Profitcenter.Außerdem wird das Sortiment gestrafft.

Bei Adidas hatte der Vorstandsvorsitzende, Robert Louis-Dreyfus, bereits im Sommer aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse eine Restrukturierung angekündigt.Hart durchgreifen will Dreyfus vor allem bei der erst Anfang des Jahres erworbenen Salomon-Gruppe.

Die Sportartikelkonzerne erwarten von ihren Umbaumaßnahmen schon bald positive Resultate.Für das kommende Jahr geht Puma, konstante Wechselkurse vorausgesetzt, von einem Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent aus.Die Marketingausgaben sollen prozentual zu den Umsatzerlösen zurückgehen, während die Aufwendungen für Produktentwicklung beibehalten werden.Mit einem erneuten Rückgang bei den Umsätzen ist bei Nike zu rechnen.Im letzten Quartal wiesen die Amerikaner einen Rückgang im Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr von 15 Prozent aus.Für Adidas rechnen die Analysten mit einem deutlich langsameren Wachstum im Rest des Jahres.Mit einem Einbruch wie bei Nike und Puma ist allerdings nicht zu rechnen.Das honorierten die Anleger auch am Freitag: Adidas hat im Langfristvergleich am besten abgeschnitten.

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