Ausbeutung : Papst Franziskus kritisiert Textilindustrie im italienischen Prato

Papst Franziskus kritisiert chinesische Textilfabriken in der italienischen Stadt Prato, wo zehntausende Chinesen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten.

Daniel Mosler
Pope Franziskus spricht in der Kathedrale "Santa Maria del Fiore" im italienischen Florenz.
Pope Franziskus spricht in der Kathedrale "Santa Maria del Fiore" im italienischen Florenz.Foto: AFP

Papst Franziskus hat in der Stadt Prato in der Toskana, wo zehntausende Chinesen in Textilfabriken schuften, gegen Ausbeutung und Korruption gepredigt. Es gebe ein Recht auf menschenwürdige Arbeit, sagte der Papst am Dienstag vor tausenden Gläubigen auf dem Balkon des von Donatello gebauten Doms der Stadt: "Die Heiligkeit jedes Menschen gebietet es, dass jeder Einzelne Respekt, Aufnahme und menschenwürdige Arbeit verdient."

Kampf gegen "Krebsgeschwür Korruption"

Die lebten und schliefen im Inneren der Fabrik, in der sie arbeiteten: in einer Ecke in einem kleinen Schlafraum, errichtet aus Gips und Pappe, mit übereinander gestapelten Betten, um die Höhe des Raumes auszunutzen", beschrieb der Papst ihre Lage. Der Tod von Arbeitern sei eine "Tragödie, entstanden aus Ausbeutung und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen". Franziskus rief seine Zuhörer auf, gegen das "Krebsgeschwür Korruption" zu kämpfen, gegen das "Krebsgeschwür der menschlichen Ausbeutung" und das "Gift der Illegalität". Der Papst war am frühen Morgen per Hubschrauber nach Prato gekommen, auf dem Weg zu einer Bischofskonferenz im nahen Florenz. In der Stadt leben unter rund 190.000 Einwohnern offiziell gemeldet 19.000 Chinesen; de facto sollen es zwischen 30.000 und 50.000 sein. Die von ihnen genähten Kleidungsstücke tragen das Label "Made in Italy".

Chinesische Unternehmen wichtig für Einnahmen der Stadt

Der Präsident der chinesischen Textilhersteller in Prato, Wang Li Ping, sagte, er versuche jede Woche 20 Firmen zu besuchen, um ihnen die Sicherheitsvorschriften, die Umweltgesetze und die Buchhaltung zu erklären. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer in der Stadt, Luca Giusti, beklagte den "unfairen Wettbewerb" durch die Chinesen; sie würden die Vorschriften nicht beachten. Die chinesischen Unternehmen steuern zwischen neun und zehn Prozent der Einnahmen der Stadt bei, räumte er ein. Der junge Bürgermeister Matteo Biffoni ist angetreten, aus Prato eine "Modellstadt" in Sachen Integration machen.

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