Ausbildung : Am liebsten Mechaniker

Wer derzeit eine Ausbildung zum Industriemechaniker macht, hat offenbar eine gute Wahl getroffen. Denn in diesem Beruf wird nach Einschätzung von Lehrlingen deutschlandweit am besten ausgebildet. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2008 des DGB hervor, der in Berlin vorgestellt wurde.

Yasmin El-Sharif
Azubi
Der Ausbildungsreport 2008 wurde vorgestellt.Foto: Rückeis

Berlin - Rund 4700 Jugendliche, die aktuell eine Lehre in den 25 am häufigsten gewählten Berufen machen, haben dafür Fragen zu ihrer Zufriedenheit im Beruf beantwortet. Wie gut die Lehrlinge konkret in den einzelnen Berufen ausgebildet werden, wurde dagegen nicht gefragt.

Die Mehrheit der Jugendlichen ist demnach zufrieden, wie DGB-Vize Ingrid Sehrbrock erklärte. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen und Branchen. So wählten die Befragten wie im Vorjahr den Industriemechaniker als Favoriten. „Wer sich für diesen Beruf entscheidet, hat gute Chancen, dass fachliche Anleitung, Ausbildungsinhalte und Vergütung stimmen“, sagte Sehrbrock. Auch Büro- und Bankkaufleute schnitten bei diesen Kriterien gut ab. Schlechter sieht es dagegen im Handwerk aus, wo die meisten Berufe im hinteren Mittelfeld landeten. Der DGB erklärt sich dieses Ergebnis damit, dass hier meist in kleineren Betrieben ausgebildet wird. Dies bedeute nicht selten „mehr Stress und eine schlechtere Arbeitsatmosphäre, strukturierte Ausbildungspläne haben eine eher geringe Bedeutung“, sagte Sehrbrock. Großbetriebe dagegen sind nach Ansicht der Jugendlichen häufig besser aufgestellt.

Ganz weit hinten in der Bewertung landeten Gastronomieberufe, Bäcker, Maler und Lackierer. Hier mangele es oft an fachlicher Anleitung, zudem stünden hier laut Befragung Hektik und Tätigkeiten, die „eindeutig nicht zu meiner Ausbildung gehören“, auf der Tagesordnung. Ausschlaggebend dürfte auch die niedrige Bezahlung und – ganz besonders – die Zahl der Überstunden in einigen dieser Berufe sein: Während im Schnitt immerhin 40 Prozent der Auszubildenden mehr arbeiten, sind es bei den Hotelfachleuten sogar 70 Prozent. Und Mehrarbeit hat, wie der Report zeigt, einen großen Einfluss auf die Zufriedenheit: Von den „sehr Zufriedenen“ geben fast 69 Prozent an, keine Überstunden machen zu müssen. Von den „sehr Unzufriedenen“ müssen 64 Prozent regelmäßig nach Feierabend arbeiten. Wie stark dieses Thema einige Jugendliche beschäftigt, zeigt ein Eintrag aus dem Online-Forum der DGB-Jugend: „Ich bin 21 Jahre jung und Auszubildender im vierten Jahr als Elektroniker... Ich habe bereits über 250 Überstunden, die ich eigentlich abfeiern dürfte. Leider geht es nach meinem Chef nie.“

Oft beklagen die Jugendlichen auch, dass sie zu wenig ausgebildet würden. So geben 32 Prozent an, nur „manchmal“, „selten“ oder „nie“ angeleitet zu werden. Auch Zukunftssorgen plagen sie. So ist nur ein Fünftel der Befragten sicher, übernommen zu werden. „Wenn der Facharbeitermangel so groß ist, wie die deutsche Wirtschaft immer wieder behauptet, ist nicht nachvollziehbar, warum nach wie vor so wenige Unternehmen ihren Auszubildenden eine berufliche Perspektive eröffnen“, kritisierte Sehrbrock.

Der DGB zeigte sich besorgt über die hohe Zahl der Abbrecher. Jeder zehnte Befragte hatte bereits eine Ausbildung unbeendet gelassen. Im Bildungsbericht der Bundesregierung ist es sogar jeder Fünfte. Die in der DGB-Umfrage erwähnten Gründe dafür glichen den auch sonst genannten Kritikpunkten der Jugendlichen. Sehrbrock forderte die Kammern deshalb dazu auf, die Betriebe künftig stärker zu kontrollieren.

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