Wirtschaft : Ausbildung auf die letzte Minute

Zwei Berater aus Industrie und Handwerk verraten, wo noch freie Ausbildungsplätze zu ergattern sind.

Foto: promo

Anfang September beginnen in der Regel die betrieblichen Ausbildungen. Wer bisher noch keine Stelle gefunden hat, muss dennoch nicht leer ausgehen. Einige Betriebe sind noch auf der Suche nach Auszubildenden. Oft kann man noch zum 1. November anfangen, teilweise sogar später. Serkan Sternberg von der Industrie- und Handelskammer Berlin und Viola Ertel vom Projekt „Passgenaue Vermittlung“ der Handwerkskammer verraten, wo Stellen frei geblieben sind und wie sich die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen lassen.

Jemand möchte dieses Jahr noch eine Ausbildung machen, hat aber bisher keine Stelle gefunden. Sind schon alle vergeben?

STERNBERG: Bei Weitem nicht! In den von der Industrie- und Handelskammer betreuten Betrieben gibt es noch rund 400 freie Stellen allein in Berlin. Deshalb haben wir diese Woche an drei Tagen alle Ausbildungswilligen Jungendlichen zur Nachvermittlungsaktion freier Ausbildungsplätze in die IHK eingeladen.

ERTEL: Im Handwerk sieht es ganz ähnlich aus. Bei der Berliner Handwerkskammer haben wir aktuell 275 freie Plätze registriert. Es gibt also immer noch viele Chancen auf eine Ausbildung.

In welchen Berufen hat man die besten Chancen?

ERTEL: Viele freie Plätze gibt es zum Beispiel bei den Friseuren und Gebäudereinigern. In einigen technischen Berufen sind auch noch Stellen unbesetzt. Gefragt sind Auszubildende zum Anlagemechaniker für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik und Auszubildende zum Elektroniker mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik.

STERNBERG: Gut stehen die Chancen auch bei einigen kaufmännischen Berufen. Die Berliner Betriebe suchen noch Auszubildende im Einzel- und im Großhandel. Auch in der Gastronomie und im Hotelgewerbe gibt es noch viele freie Stellen.

Wie kann man die freien Stellen denn finden?

STERNBERG: Am einfachsten geht man ins Netz. Auf unserer Internetseite gibt es eine Lehrstellenbörse, da sind alle freien Stellen aufgelistet.

ERTEL: Wer sich für eine handwerkliche Ausbildung interessiert, für den gibt es ebenfalls eine Lehrstellenbörse im Internet. Es gibt sie sogar als App fürs Smartphone. Man kann aber auch persönlich bei uns vorbeikommen, auch ohne Termin. Dienstags ist unser Beratungstag.

Wie können bisher erfolglose Bewerber ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbessern?

ERTEL: Das Wichtigste ist Aktivität. Wer sucht, muss sich auf den Weg machen. Wenn man seine Unterlagen abgeschickt hat, kann man bei den Betrieben direkt anrufen und nachfragen, was aus der Bewerbung geworden ist. Das macht immer einen guten Eindruck. Manche Bewerber haben so durch Zufall eine Stelle gefunden.

STERNBERG: Man kann auch punkten, indem man sich um einen Ausbildungsplatz in einem eher exotischen Beruf bewirbt. Kaum jemand kommt überhaupt auf die Idee, sich zum Beispiel als Fachkraft für Süßwarentechnik zu bewerben oder eine Ausbildung zum Speiseeis-Hersteller zu machen. Grundsätzlich gilt: Niemals die Flinte ins Korn werfen. Denn heute sind die Chancen auf einen Ausbildungsplatz so gut wie noch nie.

Die Fragen stellte Benedikt Peters. Zusammenstellungen von freien Ausbildungsplätzen gibt es im Internet unter www.ihk-lehrstellenboerse.de oder www.hwk-berlin.de

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