Ausbildung : Bundesregierung und Wirtschaft loben Pakt

Trotz der Krise am Lehrstellenmarkt sind Bundesregierung und Wirtschaft vom Funkionieren des Lehrstellenpakts überzeugt. Die Gewerkschaften widersprechen.

Berlin - Angesichts der drohenden Lehrstellenlücke zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres im August gehen die Einschätzungen über den Erfolg des Ausbildungspaktes erneut deutlich auseinander. Während sich das Bündnis nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) «kolossal bewährt» habe, erklärte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den Pakt zwischen Wirtschaft und Politik einmal mehr für gescheitert. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit 50.000 fehlenden Lehrstellen im Herbst.

Glos sei optimistisch, dass die Ziele des Ausbildungspaktes bis Jahresende erfüllt würden, sagte er am Freitag nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses in Berlin. Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig, um Jugendlichen einen Einstieg in die Ausbildung zu ermöglichen. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sei derzeit sehr groß.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Ingrid Sehrbrock, bezeichnete den Pakt hingegen als gescheitert. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze sei in den vergangenen drei Jahren um 50.000 gesunken, die Zahl der Bewerber steige immer noch. Sie wiederholte die DBG-Forderung nach einer branchenbezogene Ausbildungsplatzabgabe als dem besten Weg, «die Misere» zu beenden.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt forderte zur Schaffung weiterer Ausbildungsplätze ein «Einfrieren» der Vergütungen sowie Öffnungsklauseln. Eine pauschale Absenkung der Bezüge lehnte er jedoch ab. In ausbildenden Betrieben müsse es möglich sein, die Vergütung auf das Niveau in außerbetrieblichen Ausbildungsstätten zu senken. Die tarifliche Übernahmepflicht der Betriebe müsse ausgesetzt werden können.

Die Industrie- und Handelskammern warben nach Angaben der Paktpartner in der ersten Jahreshälfte insgesamt 25.700 neue Ausbildungsplätze ein. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte, die Zielmarke von 30.000 für das gesamte Jahr sei damit fast erreicht. Allerdings seien auch Plätze verloren gegangen.

Zudem haben den Angaben zufolge bislang rund 30.300 Jugendliche «mit eingeschränkten Vermittlungsperspektiven» ein Praktikum im Rahmen der Einstiegsqualifizierung (EQJ) angefangen. Das Ziel von 25.000 zugesagten Plätzen pro Jahr sei damit übererfüllt. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) sagte, das Instrument «EQJ» habe sich bewährt. 60 bis 70 Prozent der Praktika-Teilnehmer sei bislang der Übergang in eine Lehre gelungen. Mit Bezug auf die Gesamtlage am Ausbildungsmarkt sagte er, «im Herbst können wir mit einem befriedigenden Ergebnis rauskommen.»

Um die von den Arbeitgebern oft bemängelte «Ausbildungsreife» und die Berufsorientierung junger Menschen zu stärken, kündigten die Partner eine engere Zusammenarbeit mit den Schulen an. Ein entsprechender Handlungsleitfaden wurde gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz (KMK) erarbeitet. Außerdem solle der Ausbildungspakt bis 2010 fortgeführt werden, nachdem bislang lediglich eine Fortführung bis 2009 vorgesehen war. (tso/ddp)

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