Ausbildung : Eine Chance für die Schwachen

Die Kammern zeichnen Berlins beste Ausbildungsbetriebe aus – auch für gelungene Integration. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, wegen sinkender Schülerzahlen ihre Lehrstellen mit geeignetem Nachwuchs zu besetzen.

Severine Weber
Dieter Mießen hält die Urkunde, Thomas Frisch den Blumenstrauß, und alle Mitarbeiter freuen sich mit ihnen.
Dieter Mießen hält die Urkunde, Thomas Frisch den Blumenstrauß, und alle Mitarbeiter freuen sich mit ihnen.Foto: Jörg Bergmann

Berlin - Der beste Berliner Ausbildungsbetrieb ist eine Baufirma. Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer zeichneten am Freitag die Frisch und Faust Tiefbau GmbH aus. IHK-Chef Eric Schweitzer hob dabei hervor, dass die Firma auch Jugendliche aus schwierigen Milieus und mit schlechten Abschlussnoten eine Ausbildung ermöglichte. Auf den zweiten Platz kam der Sanitärbetrieb Musta Tec, der ausschließlich Jugendliche mit Migrationshintergrund ausbildet. Die Berliner Wasserbetriebe belegten den dritten Platz für ihr Engagement und ihre abwechslungsreiche Ausbildung. Insgesamt 30 Berliner Betriebe aus Industrie, Handwerk und Handel wurden ausgezeichnet.

Ausbildung sei für die Zukunft junger Menschen, aber auch für die Wirtschaft Berlins und Deutschlands ein Schlüsselthema, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke). „Nur mit gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften können wir im Wettbewerb bestehen.“ Besorgniserregend seien allerdings der demografische Wandel und der Fachkräftemangel. Viele Unternehmen haben bereits jetzt Schwierigkeiten, wegen sinkender Schülerzahlen ihre Lehrstellen mit geeignetem Nachwuchs zu besetzen. Und „die Zahl der Schulabgänger in Berlin und Brandenburg ist rückläufig und wird weiter zurückgehen“, sagte Schweitzer. Ferner liege die Quote der Schulabbrecher bei rund 15 Prozent. Das müssten unbedingt weniger werden, forderte Schweitzer. Wolf dagegen forderte die Unternehmen auf, jedem Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen. „Jugendliche mit Migrationshintergrund haben großes Potenzial.“ Sie in die Arbeitswelt zu integrieren, sei Aufgabe der Betriebe.

Das gilt in jedem Fall für die Baufirma Frisch und Faust Tiefbau. „Unser Ziel ist es, in unserem Betrieb den gleichen Anteil an Auszubildenden mit Migrationshintergrund wie in der Bevölkerung zu haben“, sagte der kaufmännische Leiter Dieter Mießen. Gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund seien motiviert. 21 junge Menschen bildet die Firma derzeit aus, einige darunter schlossen die Schule mit durchaus schlechten Noten ab. „In der Praxis zeigen sie aber erstaunliche handwerkliche Fähigkeiten“, sagte Mießen. Das wolle der Betrieb fördern. Denn nur so könnten qualifizierte Arbeitskräfte gewonnen und der Fachkräftemangel gedeckt werden.

Gute Übernahmechancen hat der Azubi Süleyman Yilmaz. Der 22-jährige Deutschtürke macht eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker beim zweitplatzierten Betrieb Musta Tec. Die Schule schloss Yilmaz schlecht ab, seine erste Ausbildung zum Elektroniker brach er nach nur einem halben Jahr ab. Die Handwerkskammer vermittelte ihn schließlich dem Sanitärunternehmen. „Nach der Ausbildung will ich noch die Meisterschule abschließen“, sagt Yilmaz. Ein Weg, den ihm auch sein Chef Mustafa Yüzgülec nahelegt: „Als Nichtdeutscher kann man Erfolg haben, auch wenn es manchmal ein harter Weg ist. Man muss die jungen Leute nur motivieren.“

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