Ausbildung : Genug Lehrstellen für alle

Auch dank der guten Konjunktur haben in diesem Jahr deutlich mehr Jugendliche einen Ausbildungsplatz gefunden als noch im vergangenen Jahr. Industrie, Handel und Handwerksbetriebe bieten 2007 fast zehn Prozent mehr Ausbildungsplätze an.

Peter Thelen

Berlin - Nach Informationen des Handelsblatts wuchs die Zahl der Lehrstellen bis zum Ende des Ausbildungsjahres um fast ein Zehntel. Die Handwerkskammern zählten 12 000 mehr Lehrstellen, das entspricht einem Zuwachs von 8,3 Prozent. Bei den Industrie- und Handelskammern lag das Plus bei neun Prozent.

„Hält die positive Entwicklung an, rechne ich bis zum Jahresende mit fast 180 000 neuen abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk. Damit hätten wir bei den Neuabschlüssen wieder das Niveau von 2001 erreicht“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler. 2006 hatte das Plus bei nur 0,3 Prozent gelegen.

Besonders erfreulich sei der Zuwachs an betrieblichen Ausbildungsplätzen, sagte Kentzler. Hier gab es bundesweit ein Plus von 8,2 Prozent, davon 7,9 Prozent in West- und 9,8 Prozent in Ostdeutschland. Als Grund nannte Kentzler die deutlich bessere Konjunktur. „Die Betriebe planen nach jahrelanger Durststrecke wieder ein Wachstum für die Zukunft mit ein. Sie suchen Auszubildende, um den kommenden Fachkräftebedarf zu decken.“ Vor allem die Gewerkschaften kritisieren seit Jahren die zu geringen Ausbildungsanstrengungen der Betriebe.

Viele Handwerksbetriebe suchen weiter händeringend nach Lehrlingen. Nach den Daten des ZDH gibt es derzeit noch in allen Handwerkskammerbezirken unbesetzte Ausbildungsplätze. „Ich fürchte“, so Kentzler, „die Chancen im Handwerk werden von vielen Eltern und Jugendlichen verkannt.“ Dabei sei der Gesellenbrief im Handwerk die beste Rückversicherung gegen Arbeitslosigkeit „und eine Basis für den Aufstieg bis hin zum Meister und Unternehmer“. Eine Ausbildung im Handwerk biete auch Kindern eine Chance, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. „Junge Leute mir Rückgrat, dem Willen zur Leistung werden gesucht“, sagte Kentzler. Herkunft und Nationalität seien da „beispielsweise egal“.

Allerdings stellten der ZDH und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auch in diesem Jahr fest, dass viele Schulabgänger nur unzureichend für eine Berufsausbildung qualifiziert sind. Jeder zehnte Schüler verlasse die Schule ohne einen Schulabschluss. 25 Prozent verfügten nicht über ausreichende Kenntnisse im Rechnen und Schreiben. Das Handwerk hat deshalb eine „nationale Bildungsinitiative“ vorgeschlagen und fordert ein verpflichtendes Vorschulalter und einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige.

Die neuen, nur auf zwei Jahre Ausbildung angelegten Berufe erfreuen sich nach einer neuen Studie des DIHK wachsender Beliebtheit. Gegenüber 2006 stieg die Zahl der Lehrverträge in diesen vor allem für praktisch begabte Jugendliche interessanten Berufsbildern um 20 Prozent. Insgesamt wurden 22 000 Verträge abgeschlossen. Besonders nachgefragt wurden die Berufe Maschinen- und Anlagenfahrer, Servicefachkraft für Dialogmarketing und Fachlagerist oder Verkäufer. Attraktiv sind kürzere Ausbildungsberufe nicht nur deshalb, weil sie schneller zum Abschluss führen. In vielen Fällen können die Jugendlichen nach dem ersten Abschluss eine weitere Ausbildung beginnen, die in der Regel nach einem weiteren Jahr – ohne Zeitverlust – zu einem Berufsabschluss führt. Auch für viele Unternehmen sei es interessant, sich nur für zwei Jahre an einen Lehrling zu binden. Der DIHK fordert von der Bundesregierung die Zulassung weiterer zweijähriger Berufe.HB

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