Ausbildung : Lehrling verzweifelt gesucht

Neun Prozent weniger Ausbildungsverträge: DIHK-Chef Driftmann befürchtet erheblichen Mangel an Fachkräften.

Driftmann
Hans Heinrich Driftmann -Foto: ddp

Berlin - Die Wirtschaftskrise und die Demografie hinterlassen Schleifspuren auf dem Ausbildungsmarkt. Trotz erheblicher Nachvermittlungsbemühungen ist die Zahl der neu besetzen Ausbildungsplätze erstmals seit Jahren deutlich zurückgegangen. Das geht aus Zahlen der Industrie-, Handels- und Handwerksbranchen hervor, die den Großteil des Ausbildungsmarkts abdecken und die dem „Handelsblatt“ vorliegen. Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wurden demnach bis Ende November in Industrie, Handel und Handwerk 8,7 Prozent weniger Verträge abgeschlossen als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Endgültige Zahlen veröffentlicht am Jahresende die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Ein Grund für den Rückgang an Ausbildungsverträgen ist die sinkende Geburtenrate in Deutschland und die dadurch sinkenden Schülerzahlen. Die Zahl der Schulabgänger hat in diesem Jahr um vier Prozent abgenommen, in Ostdeutschland sogar um 15,5 Prozent. Die Zahl der Lehrstellenbewerber ist laut Bundesarbeitsagentur aber noch stärker gesunken als die Zahl der Schulabgänger: Bis Ende November wurden der BA bundesweit 14 Prozent weniger Bewerbungen gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Die Ursache dafür liegt nach Einschätzung des DIHK in der Wirtschaftskrise. Sie habe dazu geführt, dass mehr Schulabgänger sich statt für eine berufliche Ausbildung für ein Studium oder eine andere Weiterbildung entschieden haben. „Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren dramatisch fortsetzen“, sagt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. „Den Betrieben droht damit erheblicher Fachkräftemangel.“

Am größten ist der Aderlass in den neuen Bundesländern: Dort wurden den Industrie- und Handelskammern 14,1 Prozent weniger Lehrverträge gemeldet als im Vorjahr (Westdeutschland: minus 8,5 Prozent). Im Handwerk sieht es bundesweit mit einem Rückgang von 6,8 Prozent etwas besser aus. Nur in den freien Berufen, also in Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Architekturbüros, ist die Lage mit einem Minus von 2,9 Prozent zu Ende September noch einigermaßen stabil.

An der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe mangele es nicht, sagt DIHK-Präsident Driftmann. „Das zeigen die Nachvermittlungen der IHKs. Dort kamen im Schnitt auf einen Suchenden noch 2,6 Ausbildungsangebote – und damit trotz Krise mehr als im Vorjahr.“ Viele tausend Lehrstellen hätten nicht besetzt werden können, sagt Driftmann. Der Grund: Jahr für Jahr verließen bundesweit 65 000 oder acht Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Sie hätten kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, will vor diesem Hintergrund den im kommenden Jahr auslaufenden Ausbildungspakt zu einem „Pakt Fachkräftesicherung“ weiterentwickeln. Oberstes Ziel müsse es sein, die Ausbildungsfähigkeit der weniger werdenden Bewerber zu verbessern. HB

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