Ausbildung : Rendezvous mit dem Personalchef

Die Handwerkskammer wollte Azubis und Betriebe beim "Azubi Speed Dating" verkuppeln – Liebe auf den ersten Blick war es nicht.

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Nicht loslassen. Sich vom Traumberuf Feuerwehrmann zu verabschieden, fällt vielen Jugendlichen schwer. Das musste jetzt auch die Handwerkskammer Berlin lernen.
Nicht loslassen. Sich vom Traumberuf Feuerwehrmann zu verabschieden, fällt vielen Jugendlichen schwer. Das musste jetzt auch die...Foto: p-a/dpa

Berlin - Feuerwehrmann. Das will er werden, sagt Rudi Knauerhase. Allerdings wird daraus in naher Zukunft erst mal nichts. Zwar hat er das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchlaufen, zählte dann aber nicht zu den Glücklichen, die auch eine Stelle bekamen.

Jetzt steht der bullige 17-Jährige in der Zentrale der Handwerkskammer in Kreuzberg und sagt, mit Maurer könnte er sich eventuell auch anfreunden, Fliesenleger wäre vielleicht auch noch eine Option.

An dem Tisch in der Runde, an dem er sich dafür bewerben könnte, sitzt aber schon jemand. Also weicht er kurzerhand aus und landet bei den Dachdeckern. „Dachdecker könnte ich mir auch vorstellen“, sagt er, nachdem er sich gesetzt hat.

So richtig überzeugend klingt es aber nicht. Eigentlich will Knauerhase immer noch Feuerwehrmann werden. Und wenn er dafür vorher eine Ausbildung machen muss, weil das seine Chancen bei einem zweiten Anlauf erhöht, dann macht er eben eine. Welche, so hat man den Eindruck, ist ihm eigentlich egal. Auch seinem Gegenüber bleibt das natürlich nicht verborgen. Dementsprechend zäh schleppt sich das Bewerbungsgespräch. Nach 15 Minuten schüttelt man sich die Hände. „Wir melden uns“, sagt der Dachdecker. „Okay“, sagt Knauerhase. Dann geht er weiter – zum nächsten Tisch.

36 Ausbildungsplatzsuchende, zwölf Betriebe, je 15 Minuten Bewerbungsgespräch: das waren die Regeln beim „Azubi Speed Dating“, zu dem die Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und die Handwerkskammer Berlin (HWK) am Donnerstag geladen hatten.

Die Ansprüche waren hoch. „Ich würde sagen, dass hier heute die Hälfte einen Ausbildungsvertrag bekommt“, hatte HWK-Geschäftsführer Jürgen Wittke zu Beginn gesagt. Nach anderthalb Stunden Tischleinwechseldich sieht es allerdings nicht danach aus. Von den 36 Kandidaten ist nur noch ein knappes Dutzend da. Eine Zusage für eine Ausbildungsstelle hat nur einer bekommen. Elf weitere sollen immerhin zu einem weiteren Gespräch eingeladen worden sein.

Das Ergebnis könnte dem Umstand geschuldet sein, dass es vielen hier geht wie Knauerhase. Eingeladen wurden nämlich nur Jugendliche, die sich als Feuerwehrmann beworben, die erforderlichen Tests absolviert, aber keine Stelle bekommen hatten. Warum ausgerechnet und ausschließlich diese Gruppe hier vertreten ist, erklärt die HWK so: „Wir wollten die Idee erst mal ausprobieren“, sagt eine Sprecherin. Die Feuerwehrbewerber hätten sich zum einen als ausbildungsfähig erwiesen und könnten zum anderen ihre Chance auf den Traumberuf mit einer abgeschlossenen Handwerksausbildung erhöhen. „Also wollten wir den Jugendlichen zeigen, was es da alles an Möglichkeiten gibt.“ Und schließlich sei Information ja auch ein Erfolg. Das Speed Dating werde deshalb definitiv wiederholt.

Ob Mehmet Alankaya dann allerdings noch mal dabei sein wird, weiß er nicht. Alankaya ist das A der Firma G&A Elektrotechnik und hat in den vergangenen 90 Minuten mit sieben Bewerbern gesprochen. Die Idee sei ja ganz gut, sagt er, so richtig funktioniere sie aber noch nicht. „Da sitzt mir dann einer gegenüber, der sagt, er interessiere sich für Elektrotechnik. Vor fünf Minuten wollte er noch Raumausstatter werden, in 15 Minuten Tischler.“ Dabei wollten doch alle hier, das sei ja kein Geheimnis, Feuerwehrmann werden. Er fände es sinnvoller, wenn es solche Termine jeweils für eine bestimmte Branche geben würde. Zufrieden guckt er nicht, als er seine Sachen packt.

Das gilt auch für Tom Spengel, der eigentlich allen Grund dazu hätte. Der schmale 17-Jährige ist der Kandidat, der den Zuschlag bekommen hat. Am Dienstag soll er bei dem Dachdeckerbetrieb vorstellig werden. Er gibt sich pragmatisch: „Hätte das hier heute nicht geklappt, dann wäre ich halt zur Bundeswehr gegangen“, sagt er. Genau das war auch Knauerhases Plan, der gegen Mittag mit dem Versprechen, angerufen zu werden, nach Hause geht. Klingelt das Telefon nicht, trägt er bald Tarn- statt Feuerwehruniform.

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