Wirtschaft : Ausbildungsabgabe wird konkreter

SPD will Arbeitgeber per Gesetz verpflichten / Noch 150 000 Jugendliche auf Suche

BERLIN (AP/dpa).Die SPD will die Arbeitgeber per Gesetz verpflichten, junge Menschen auszubilden.Auf einem Kongreß in Berlin veröffentlichten die Sozialdemokraten Details aus ihrem Gesetzentwurf zur Lehrstellenfinanzierung, der Anfang Oktober in den Bundestag eingebracht werden soll.Unternehmen, die gar keine oder zu wenig Lehrlinge einstellen, "sollen in einen zentralen Berufsausbildungsfonds einzahlen, der von den Tarifpartnern verwaltet wird", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ottmar Schreiner. "Kleine Betriebe und Verwaltungen werden von der Umlage befreit.Ausnahmen gibt es zudem für existenzgefährdete und neu gegründete Betriebe", betonte der SPD-Sozialexperte.Arbeitgeber, die mehr ausbilden, als sie eigentlich müßten, sollten einen finanziellen Bonus erhalten.Wie hoch die Ausbildungsplatzabgabe sein soll, ist bislang offen, im Gespräch ist 1 Prozent der Bruttolohnsumme.Die SPD will laut Schreiner vor allem Mädchen und junge Frauen, Ausländer sowie Jugendliche mit schulischen oder sozialen Defiziten fördern und den Weg in eine Festanstellung nach der Ausbildung erleichtern.Auch soll strukturschwachen Regionen besonders geholfen werden.Das duale System der Berufsausbildung habe sich bewährt, erklärte Schreiner.Die Hauptverantwortung müsse aber bei den Arbeitgebern bleiben und nicht dem Staat aufgebürdet werden. Nach Meinung von SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering kann der Wohlstand in Deutschland nur dauerhaft bewahrt werden, wenn die Lehrstellenkrise beseitigt wird.Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage bei den Lehrstellen klaffe immer weiter auseinander.Die Zahl der Schulabgänger steige bis zum Jahr 2007 noch einmal um mehrere zehntausend an. Nach Hochrechnung von Arbeitsamt-Experten suchen derzeit noch mindestens 150 000 Jugendliche nach einer Lehrstelle.Zwar haben Wirtschaft und Verwaltungen in den vergangenen vier Wochen beim Stellenangebot deutlich zugelegt.Dennoch wird befürchtet, daß in diesem Jahr erstmals auch rechnerisch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht geschlossen werden kann.Der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, und Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers wollen an diesem Montag in Bonn die Lage auf dem Lehrstellenmarkt erläutern.Aus vier Bundesländern liegen inzwischen die aktuellen Daten vor.Demnach warten in Nordrhein-Westfalen noch 22 935 Jugendliche auf einen Ausbildungsplatz, während 12 785 Stellen unbesetzt sind, in Bayern 21 000 (bei 21 000 freien Stellen), in Hessen 10 500 (4400), in Rheinland-Pfalz 5500 (3000).

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