Ausbildungsmarkt : Jeder zweite Betrieb organisiert Nachhilfe für seine Lehrlinge

Rechnen und Lesen - aber auch Teamfähigkeit und Pünktlichkeit: Den Schulabgängern fehlen nach Einschätzung der Wirtschaft immer öfter die Grundvoraussetzungen für eine betriebliche Ausbildung. Viele Betriebe organisieren inzwischen Nachhilfe im eigenen Unternehmen.

BerlinDie Unternehmen müssten zunehmend ausbügeln, was Elternhaus und Schule in 16 Jahren versäumt hätten, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit. Dabei gehe es nicht nur um Rechnen, Schreiben und Lesen. Immer häufiger mangele es auch an Disziplin, Teamfähigkeit und Pünktlichkeit.

Einer DIHK-Umfrage zufolge nutzt fast jedes dritte Unternehmen ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagenturen. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit machten im Jahr 2009 davon 71.100 Lehrlinge Gebrauch. Zudem nutzten demnach 31.600 junge Menschen die sogenannte Einstiegsqualifizierung. Das sind mehrmonatige, finanziell geförderte, betriebliche Praktika, die auf die Aufnahme einer Ausbildung vorbereiten sollen.

Trotz des Abflauens der Wirtschaftskrise rechnet die Industrie in diesem Jahr mit einem Rückgang des Lehrstellenangebots. Einige deutsche Unternehmen wollten wieder etwas mehr ausbilden als im Rezessionsjahr 2009. Rund 15 Prozent der Firmen planten, in diesem Jahr mehr Lehrstellen anzubieten. Dem stehen aber die Planungen von jedem vierten Betrieb entgegen, weniger Lehrstellen zu schaffen als im vergangenen Jahr. 60 Prozent wollten ihr Angebot gleich halten.

Auch für 2010 sei damit zu rechnen, dass die Zahl der angebotenen Lehrstellen zurückgehe, erklärte der DIHK. Als Stütze für den Ausbildungsmarkt erweise sich der Mittelstand, der weniger pessimistischere Pläne habe als noch 2009. Die Großbetriebe hingegen dürften ihr Angebot eher zurückfahren.

Hauptgrund für die Ausbildung ist für die meisten Betriebe, sich künftige Fachkräfte zu sichern. Die Wirtschaft spürt dabei zunehmend die schrumpfenden Bewerberzahlen. Trotz Wirtschaftskrise habe 2009 mehr als jedes fünfte Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können, im Osten habe sogar jede dritte Firma Besetzungsschwierigkeiten gehabt. Der DIHK hatte rund 15.000 Unternehmen befragt.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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