Ausbildungspakt : Wirtschaft und Regierung: Lehrstellenlücke ist zu schließen

Wirtschaft und Bundesregierung wollen auch in diesem Jahr eine Lehrstelle für jeden ausbildungswilligen Jugendlichen sicherstellen. Die derzeit noch ausgemachte "rechnerische Lücke" von 185.000 Ausbildungsplätzen soll in den nächsten Monaten geschlossen werden.

Berlin (08.06.2005, 16:33 Uhr) - Die Lücke werde geschlossen, versicherten DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) am Mittwoch bei der Vorlage einer Zwischenbilanz ihres Ausbildungspaktes. Ungeachtet von Gewerkschaftskritik sehen sie die Vereinbarung vom Juni 2004 auf gutem Weg.

Ende Mai - drei Monate vor dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September - waren bei den Arbeitsämtern noch 308.723 Jugendliche als unversorgt gemeldet. Für sie gibt es noch 123.671 offene Lehrstellen. Ähnlich sah es zum gleichen Zeitpunkt bei der Vermittlungsrunde des Vorjahres aus, als Regierung und Wirtschaft den Ausbildungspakt schlossen. Danach seien bis Jahresende noch rund 50.000 neue Plätze eingeworben worden. Weitere 18.000 folgten in den ersten fünf Monaten dieses Jahres, sagte Braun. Die Wirtschaft hat sich mit dem Pakt verpflichtet, über einen Zeitraum von drei Jahre hinweg im Schnitt jährlich 30.000 neue Lehrstellen zu schaffen.

Braun versicherte, dass die Wirtschaft unabhängig von möglichen Neuwahlen bereit sei, den Pakt auch über 2006 hinaus fortzusetzen - sofern die dann gewählte Regierung dies wünsche. Die Wirtschaft stehe zu ihrer Ausbildungsverpflichtung. «Wir brauchen den Druck, wir wollen den Druck», sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Mit der Vereinbarung über den Pakt hatte die rot-grüne Regierungskoalition im Gegenzug ihr umstrittenes Gesetzesvorhaben für eine Lehrstellenabgabe der nicht ausbildenden Betrieben auf Eis gelegt. Braun räumte erstmals öffentlich ein, dass mit der angedrohten Abgabe «neue Bewegung» in die Lehrstellendebatte gekommen sei.

Während der DIHK nach einer internen Zählung bei seinen Mitgliedsfirmen bis Ende Mai bei den neuabgeschlossenen Verträgen ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr registriert, fürchtet das Handwerk einen leichten Rückgang. Dieser werde aber prozentual deutlich niedriger ausfallen, als der Arbeitsplatzabbau im Handwerk insgesamt, versicherte Handwerkspräsident Otto Kentzler. Zahlen nannte er nicht. Gesetzlicher Stichtag für die Bilanz ist der 30. September. Aber auch danach gingen die Vermittlungsbemühungen weiter, hieß es übereinstimmend.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, mit dem Pakt sei eine «Trendumkehr» bei der Lehrstellenversorgung eingeleitet worden. Dies liege im Interesse der Unternehmen wie der gesamten Gesellschaft. Wenn die Wirtschaft nicht mehr ausbilde, würden wegen des Geburtenrückganges in Deutschland bald drei Millionen Fachkräfte fehlen.

CDU/CSU-Fraktions-Vize Maria Böhmer begrüßte die Bemühungen der Wirtschaft. Auch ihre Fraktion stehe zum Ausbildungspakt. Dies sei besser, als eine «Ausbildungssteuer oder andere Zwangsmaßnahmen». Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer sagte dagegen, die Beteiligen «lügen sich in die Tasche.» Der Pakt habe in weiten Teilen nicht das gebracht, was er versprochen habe. Die jungen Menschen erwarteten weitere Anstrengungen. (tso)

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