Ausbildungssituation : Gewerkschaft mit Lehrstellenbilanz unzufrieden

Die IG Metall stellt der Regierung bei der Schaffung von Lehrverträgen kein gutes Zeugnis aus: Der angebliche Zuwachs sei überwiegend durch die Ausweitung finanzierter Hilfsmaßnahmen der Arbeitsämter zustande gekommen.

Ausbildungssituation
Weniger neue Lehrverträge: Die IG Metall relativiert die Zahlen der Regierung. -Foto: ddp

BerlinDie Wirtschaft hat nach einer Analyse der IG Metall im Jahr 2007 weitaus weniger zusätzliche Lehrverträge geschaffen als bisher dargestellt. So seien von den 48.600 zusätzlichen Ausbildungsverträgen im Westen weniger als die Hälfte - etwa 20.000 - der betrieblichen Seite zuzuschreiben. Die IG Metall verweist dabei auf Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Statt des bisher öffentlich herausgestellten Lehrstellenplus von 10,7 Prozent betrage der Zuwachs bei den Betrieben im Westen in Wirklichkeit gerade mal etwas mehr als fünf Prozent. Im Osten wurde ein Plus von 1160 Neuverträgen (0,9 Prozent) gegenüber 2006 erzielt. Dort sei der betriebliche Anteil zumindest nicht weiter rückläufig.

Mehr als die Hälfte waren Altbewerber

Der Lehrstellenzuwachs von 2007 sei somit überwiegend vom Beitragszahler der Bundesagentur für Arbeit finanziert worden, heißt es in dem Papier der IG Metall. Bei der Berufsausbildung junger Menschen sei die Wirtschaft selbst 2007 weit hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben.

Von den 734.300 Lehrstellenbewerbern des Jahres 2007 waren der Bilanz zufolge mehr als die Hälfte - rund 385.000 - sogenannte Altbewerber. Ihre Erfolgschancen seien vor allem dann gering, wenn ihr Schulentlassdatum bereits zwei Jahre oder länger zurückliege. Verwiesen wird auf eine Bewerberbefragung aus 2006, wonach nur noch jeder vierte Hauptschüler unmittelbar nach Ende seiner Schulzeit auch eine Lehrstelle finde.

Das Bundeskabinett wird morgen eine Qualifizierungsinitiative beschließen, um dem zunehmenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Nach dem unter Federführung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) entwickelten Konzept sind unter anderem Prämien von bis zu 6000 Euro für Betriebe vorgesehen, die Jugendliche einstellen, die seit längerem auf der Suche nach einer Lehrstelle sind. Auch soll es Stipendien für Berufstätige geben, die sich ohne Abitur für ein Studium entscheiden. (hu/dpa)

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