Wirtschaft : Ausgezeichnete Implantate

Medizintechnik-Unternehmen von Utz Claassen erhält Innovationspreis.

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Frankfurt am Main - Der nächste Preisträger musste ein Niedersachse sein – das war spätestens klar, als Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens die Bühne betrat. Und so war es keine Überraschung mehr, als die Syntellix AG aus Hannover am Samstagabend den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft in der Kategorie Start-up erhielt.

Das Unternehmen, geführt von Robert Schavan, dem jüngeren Bruder der als Bundesforschungsministerin zurückgetretenen Annette Schavan (CDU), hat Implantate aus einer Magnesiumlegierung entwickelt, die sich im Körper auflösen. Das betrifft zum Beispiel Schrauben, die nach Knochenbrüchen eingesetzt werden können, eine zweite Operation zur Entfernung wird damit überflüssig. Für stark belastete Knochen, etwa den Oberschenkel, sind die Schrauben zwar noch nicht tragfähig genug, aber an Ellbogen oder Kiefer funktioniert das Prinzip.

Mehrheitsaktionär Utz Claassen, der frühere Energiemanager, freute sich gewaltig. Er wünsche sich, dass Schavan in zwölf Jahren mit Syntellix in der Kategorie Großunternehmen ausgezeichnet werde. Er selbst habe schließlich bereits vor zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG in der Kategorie Mittelstand gesiegt. „Wir werden weiter forschen und uns hochtasten, die Implantate werden mit der Zeit größer werden“, sagte Schavan. Syntellix arbeitet mit der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen, beteiligt ist Carsten Maschmeyer, der ebenfalls zu der Gala-Veranstaltung gekommen war. Der Gründer des Finanzvertriebs AWD investiert heute gezielt in Start-up-Firmen.

Bei den Großunternehmen überzeugte MTU Aero Engines aus München mit einem geräuscharmen Düsentriebwerk die 40-köpfige Jury, zu der Ex-Astronaut Ulf Merbold zählt. In der Kategorie Mittelstand setzte sich Ibidi durch: Das ebenfalls aus München stammende Unternehmen hat Zellträger aus Kunststoff entwickelt, was die Forschung mit lebenden Zellen erleichtert. Die Deutsche Post siegte mit einem neuen Altersteilzeitmodell in der Kategorie Personalkonzepte. Insgesamt hatten sich 275 Unternehmen beworben.

Statt Annette Schavan kam ihre Nachfolgerin Johanna Wanka zur Gala, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lobte den Preis per Videobotschaft. Volker Bouffier (CDU), Regierungschef des Gastgeberlandes Hessen, fehlte dagegen ganz. Aber aus seinem Land kam ja auch kein Preisträger. Moritz Döbler

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