Wirtschaft : Ausgleichsbank fördert die Jungunternehmer mit fast elf Milliarden Mark

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Eckart von Reden, Sprecher des Vorstandes der Deutschen Ausgleichsbank (DtA), weiß, was sein Institut leistet. Die "Gründer- und Mittelstandsbank des Bundes" habe im vergangenen Jahr rund 67 000 Kredite im Gesamtvolumen von 5,4 Milliarden Euro (rund 10,6 Milliarden Mark) an Gründer und Jungunternehmer vergeben und damit einem Investitionsschub von mehr als zehn Milliarden Euro ausgelöst, sagte Reden am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz in Berlin. Der Unternehmernachwuchs in Deutschland entpuppe sich immer mehr als Konjunkturlokomotive. Allein die von der DtA geförderten Nachwuchsunternehmer hätten im vergangenen Jahr unmittelbar rund 300 000 Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise gesichert, sagte der Vorstandssprecher. Die Beschäftigungseffekte insgesamt dürften bei über einer halben Million Arbeitsplätzen liegen.

Aufbruchstimmung herrscht vor allem im Westen der Bundesrepublik. So stieg im Kerngeschäftsfeld der DtA, der Existenz- und Unternehmensgründung, das Darlehensvolumen in den alten Bundesländern um 17 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Insgesamt wurden rund 57 000 Kredite vergeben. In den Neuen Bundesländern wurden dagegen nur rund 10 000 Darlehen über insgesamt knapp eine Milliarde Euro nachgefragt. Das sind 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Talssohle sei jedoch durchschritten, so Reden, der zunehmende Gründungsaktivitäten in den neuen Ländern im Bereich der High-Tech-Unternehmen ausgemacht hat. Besonders zuversichtlich ist er für die Regionen Berlin, Dresden und Jena. Von den Fördermitteln der DtA entfallen bundesweit etwa zwei Drittel auf den Handel und das Dienstleistungsgewerbe. Von 100 geförderten Personen machen sich 45 im Dienstleistungsbereich selbstständig. 25 Prozent aller Geförderten waren Gründerinnen.

Doch die Deutsche Ausgleichsbank setzt nicht nur auf verbilligte Kredite. Der Umbruch in der Bankenlandschaft werde dazu führen, dass die Kreditfinanzierung als klassische Kapitalbeschaffung auch für den Mittelstand an Bedeutung verliere, sagte Reden. Denn die Banken würden ihr Kreditgeschäft zugunsten von Kapitalmarktprodukten weiter zurückführen. Die DtA hat auf diesen Trend mit dem Produkt "Startgeld" reagiert. Das im Mai eingeführte Förderprodukt übernimmt die DtA mit Unterstützung des Europäischen Investitionsfonds eine 80-prozentige Haftungsfreistellung. Nach sechs Monaten wurden knapp 4000 Gründungsvorhaben durch das "Startgeld" ermöglicht. Die tbg, hundertprozentige Tochter der Ausgleichsbank, stellt Beteiligungskapital für High-Tech-Unternehmen bereit. 1999 waren es insgesamt 570 Beteiligungen im Volumen von rund 385 Millionen Euro. Damit stieg das Volumen um 94 Prozent, die Zahl der Beteiligungen nahm um 70 Prozent zu. Reden bezeichnete die tbg als "Major Player" auf dem Venture-Capital-Markt, der zehn Jahre nach seiner Gründung rund 1500 Beteiligungen an 700 Unternehmen zahlte. Im laufenden Jahr wolle die tbg die Nummer Eins auf dem Markt werden. Beteiligungskapital für No- und Low-Tech-Unternehmen stellt die zweite hundertprozentige Tochter, die gbb bereit. Sie ist bisher vor allem in den Neuen Bundesländern aktiv.

Die Zukunft der Deutschen Ausgleichsbank sieht Reden ausgesprochen positiv. Als Markt- und Meinungsführer in der Gründerförderung halte sie mittlerweile einen Marktanteil von 30 Prozent. Ein Zusammengehen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sieht Reden in absehbarer Zeit nicht. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller habe sich expliziert dagegen ausgesprochen, Auch die Berufung des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministeriums, Siegmar Mosdorf, zum neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrates der DtA zeige, dass das Institut selbstständig bleiben werde.

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