Auskunfteien : Aigner attackiert die Schufa

Viele Personendaten bei der Schufa und anderen Auskunfteien sind fehlerhaft gespeichert – zum Schaden der Betroffenen.

Daniel Gratzla

Berlin - Viele der bei Schufa und anderen Auskunfteien gespeicherten Daten sind fehlerhaft. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. „Die Fehlerquoten der gesammelten Daten sind viel zu hoch, die den Verbrauchern erteilten Selbstauskünfte oft völlig unbrauchbar“, kritisierte Aigner. Bei den einbezogenen Auskunfteien seien bis zu 45 Prozent der Verbraucherdaten fehlerhaft gewesen.

Für die Studie hatten 100 Testpersonen bei verschiedenen Scoring-Firmen Auskunft über ihre gespeicherten Daten beantragt. Dies waren neben der Schufa die Auskunfteien Arvato Infoscore, Creditreform und Bürgel. Der aus den Informationen errechnete „Score“ gibt Auskunft über die Kreditwürdigkeit einer Person. Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, ist die größte Scoring-Firma, deren Datensammlung von Banken, Versicherern, Vermietern und Telefongesellschaften genutzt wird. Wer negative Schufa-Einträge aufweist, kann Schwierigkeiten haben, einen Kredit oder eine Wohnung zu bekommen.

Die Schufa weise in der Stichprobe eine Fehlerquote von 35 Prozent auf. 26 Prozent der Fehler seien selbst verschuldet, weil die Daten falsch oder veraltet waren, schreiben die Autoren der Studie. So waren Girokonten nicht erfasst, dafür aber schon abgelaufene Handyverträge. In einem Fall war sogar eine falsche Kreditforderung gespeichert.

Kritik übte Aigner auch an den mangelhaften Selbstauskünften der Scoring-Firmen. Bei zwei von vier angefragten Auskunfteien erhielten die Verbraucher lediglich die Daten zurück, die sie für die Anfrage zur Verfügung stellen mussten. Ein neues Gesetz soll die Daten besser schützen und das Recht der Verbraucher auf Auskunft verbessern. „Ich fordere die Auskunfteien auf, nicht erst bis zum Inkrafttreten am 1. April 2010 zu warten, sondern sofort zu handeln“, sagte Aigner. Sie rät Verbrauchern, ihre Daten einzusehen, das Recht dazu besteht bereits.

Die Schufa wies die Kritik zurück. „Die Daten sind nicht fehlerhaft, sondern unvollständig“, sagte Sprecherin Katrin Haase. Wenn ein Girokonto gekündigt werde, sei man darauf angewiesen, dass die Bank dies melde. Zu konkreten Fällen könne sie aufgrund der Anonymität der Daten in der Studie nichts sagen.

Für berechtigt hält die Kritik dagegen Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig- Holstein (ULD). „Die Schufa hat die rechtliche Verantwortung, dafür zu sorgen, dass falsche Daten gelöscht werden“, sagte Datenschützer Weichert dem Tagesspiegel. Daniel Gratzla

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