Wirtschaft : Ausländer bauen Anteil im Dax aus Konzerne sind meist nicht mehr in deutscher Hand

Düsseldorf - Der Konjunktur- und Börseneinbruch in Deutschland hat ausländische Investoren offenbar nicht abgeschreckt. Sie halten nach Berechnungen des „Handelsblatts“ derzeit mit 53 Prozent so viel Anteile an den Dax-Konzernen wie noch nie.

Vor einem Jahr waren ausländische Investoren mit 52,5 Prozent erstmals mehrheitlich an den 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen engagiert. Zwar haben ausländische Investoren im Börsenjahr 2008 nicht kräftig zugekauft. Nach Statistiken der Deutschen Bundesbank zogen sie in den ersten drei Quartalen netto sogar 85,6 Milliarden Euro aus deutschen Aktien ab. Doch die Abflüsse aus dem Inland wogen schwerer. Ausländische Langfristinvestoren bauten ihre Aktienpositionen sogar aus. So verdoppelte der russische Milliardär und Industrielle Andrej Melnichenko Ende November seine Beteiligung am Düngemittelspezialisten K+S auf 15 Prozent, nachdem sich binnen weniger Wochen der Aktienkurs halbiert hatte. Dadurch ist jetzt auch der Dax-Neuling mehrheitlich in ausländischem Besitz. Die Beteiligungsgesellschaft Capital Group mit Sitz in Los Angeles beteiligt sich inzwischen an der Hälfte aller Dax-Firmen, darunter mit fünf Prozent an den beiden Versorgern Eon und RWE und zehn Prozent am Chemie- und Pharmakonzern Bayer.

Hingegen ziehen sich deutsche Klein- und Großanleger von der Börse zurück. Nach Aktienquoten von einst mehr als 20 Prozent beziffert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Quote aktuell noch auf acht Prozent. Das ist so wenig wie noch nie. Allianz Leben legt inzwischen nur noch zehn Prozent in Aktien an – binnen eines Jahres wurde die Quote damit fast halbiert. Die Münchener Rück verringerte ihren Kapitalanlagebestand von elf auf sieben Prozent. Debeka und Hannoversche Leben zogen sich nahezu vollständig aus Aktien zurück.

Dramatisch ist die Abwanderung privater Anleger. Laut „Handelsblatt“ verteilen sich die Dax-Titel nur noch zu 22 Prozent auf Kleinanleger. Vor fünf Jahren war es noch rund ein Drittel. HB

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