Wirtschaft : Ausländer kaufen mehr in Deutschland

DIHT erwartet Exportüberschuß von 130 Mrd.DM / Tietmeyer: Wirtschaft auf Wachstumspfad

BONN / ASCHAU (dpa).Die Exporterfolge deutscher Unternehmen treiben den Handelsüberschuß in diesem Jahr erstmals seit der deutschen Einheit wieder über die Marke von 100 Mrd.DM.Bei günstiger Entwicklung könnte der Exportüberschuß sogar in die Nähe des Rekords von 134,6 Mrd.DM aus dem Jahr 1989 steigen, heißt es in einer DIHT-Umfrage.Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer sieht die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs."Nach der Flaute vom vergangenen Herbst ist die Wirtschaft auf den Wachstumspfad eingeschwenkt", sagte er am Donnerstag nach der Sitzung des Zentralbankrats im oberbayerischen Aschau.Tietmeyer: "Es gibt keinen Grund für weiteren Konjunkturpessimismus." Tietmeyer schränkte allerdings ein, die Bauwirtschaft befinde sich nach wie vor in einer strukturellen Krise.Dies habe entsprechend große Bedeutung für die ostdeutschen Länder.Daher verlaufe die konjunkturelle Entwicklung dort wesentlich schlechter als im Westen.Mit verhaltener Skepsis beurteilte Tietmeyer auch die jüngste Entwicklung auf den gesamtdeutschen Aktienmärkten.Erfolgsmeldungen an der Börse "täuschen über die wahre Lage hinweg, der DAX repräsentiert nicht die gesamte deutsche Wirtschaft." Für die Exporte erwartet der Deutsche Industrie- und Handelstag ein nochmals verstärktes Wachstum von sechs bis sieben Prozent nach 4,6 Prozent 1996.Die Importe dürften dagegen nur um vier bis fünf Prozent zulegen, sagte DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser am Donnerstag in Bonn nach einer Umfrage bei Außenhandelskammern und Delegierten in 75 Ländern.Legt man die höchsten Annahmen des DIHT zugrunde, erreichen die Ausfuhren 1997 das Rekordvolumen von rund 840 Mrd.DM.Bei der Einfuhr läuft die Prognose auf etwa 715 Mrd.DM hinaus.Daraus würde sich ein Handelsüberschuß von rund 120 Mrd.DM ergeben. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft habe sich verbessert, sagte Schoser.Hauptgrund sei der starke US-Dollar.Viele Firmen hätten aber auch ihre Hausaufgaben zur Kostensenkung gemacht.Bei den Arbeitskosten gebe es eine gegenläufige Entwicklung: Während die reinen Lohnkosten geringer gestiegen seien als im Ausland, würden die Lohnzusatzkosten unvermindert klettern und den Export bremsen. Schoser warnte davor, den Exportboom überzubewerten.Der Welthandel wachse mit voraussichtlich acht Prozent noch schneller.Deutschland verliere also weitere Marktanteile.Die Wachstumsraten der deutschen Exporte lägen immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt, der etwa in den 80er Jahren 7,5 Prozent betragen habe.Deutschland sei zudem auf einen hohen Handelsüberschuß angewiesen, um Defizite bei Dienstleistungen (wie Reisen) und im Kapitalverkehr auszugleichen.In der Leistungsbilanz, die alle Geldströme mit dem Ausland zusammenfaßt, hat sich das deutsche Defizit in den ersten vier Monaten 1997 auf 5,9 Mrd.DM mehr als verdoppelt. Die SPD wertete die DIHT-Aussage zu Lohnzusatzkosten als Argument für ihre Forderung, die Sozialversicherungsbeiträge zu senken und dafür die Mineralöl- und die Mehrwertsteuer zu erhöhen.Schoser forderte die Parteien generell auf, sich auf eine Steuerreform zu einigen, damit die Exportdynamik endlich zu mehr Investitionen und Arbeitsplätzen in Deutschland führe.

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