Wirtschaft : Ausländische Manager willkommen Neue Visum-Stelle im Ludwig-Erhard-Haus

Philipp Lichterbeck

Berlin - Ömer Baskan ist Berliner Unternehmensberater. Er betreut vor allem türkische Geschäftsleute – wenn sie es denn nach Deutschland schaffen. „Das Hauptproblem ist immer das Visum“, sagt er. Baskan erzählt von einem türkischen Natursteinhändler, der vergangenes Jahr eine GmbH in Berlin gründen wollte. Aber weil er keine Familie in Berlin hat und auch niemanden, der ihm eine Bürgschaft hätte ausstellen können, verweigerten die deutschen Behörden ihm das Visum. Aus der Investition wurde nichts.

Damit sich solche Fälle in Zukunft nicht wiederholen, öffnet die Industrie- und Handelskammer Berlin Anfang März den Business Immigration Service (BIS) im Ludwig-Erhard-Haus. Der BIS oder auch „Ausländerschalter“ richtet sich laut IHK an Investoren, qualifizierte Beschäftigte großer Unternehmen und deren Familien. Ein Beamter der Ausländerbehörde soll im BIS sitzen, so dass alle Schritte zum Visum schnell und in einem Rutsch erledigt werden können. Tatsächlich ist die deutsche Ausländerpolitik bisher ein Investitionshindernis.

Der Staat hat zahlreiche bürokratische Hürden aufgebaut, um zu verhindern, dass Menschen kommen, die er nicht haben will. Diese Abwehrhaltung trifft alle gleichermaßen. Türkische Unternehmer müssen etwa genauso wie türkische Touristen zunächst bei der deutschen Botschaft oder bei einem Generalkonsulat anrufen. Dort nimmt ein Anrufbeantworter die Anfrage entgegen. Dem Unternehmer wird dann schriftlich geantwortet. Bis er ein Visum erhält, können Wochen vergehen. Zu viel Zeit, vor allem für Geschäftsreisende: Dutzende türkische Frucht- und Gemüsehändler hätten es in der vergangenen Woche daher nicht zur Fachmesse Fruit Logistica nach Berlin geschafft, berichtet Bahattin Kaya, Chef der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg.

Das soll nun anders werden. „Wir wollen Geschäftsleuten mit dem BIS den roten Teppich ausrollen“, sagt IHK-Chef Jan Eder. Man könne gar nicht oft genug betonen, wie wichtig solch ein Service für internationale Investoren sei, die beispielsweise die Wahl zwischen London, Warschau und Berlin hätten.

Eder verspricht, dass man versuchen werde, dass bis zum Jahr 2010 auch andere Behördengänge, wie etwa den zum Gewerbeamt, im BIS erledigt werden können. Die IHK rechnet mit bis zu mehreren Tausend Anfragen jährlich. Diese sollen auch online oder per Fax gestellt werden können. Voraussetzung für die Beratung im BIS ist ein hohes Einkommen. „Doch“, so sagt Ulrich Freise, Staatssekretär in der Innenverwaltung, „niemandem wird die Tür gewiesen.“ Das hofft auch Bahattin Kaya. „Wir haben so etwas schon seit Jahren gefordert.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben