Wirtschaft : Ausländische Titel: Steuerliche Nachteile drohen - Aktionäre führen Papierkrieg

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Die Zeiten, da sich der deutsche Anleger auf die Dax-Werte konzentrierte, scheinen vorbei zu sein. Längst schon wird auch in französische, italienische oder portugiesische Aktientitel investiert, doch damit beginnen die Probleme. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wies am Freitag in Berlin darauf hin, dass der deutsche Aktionär in ausländische Aktien häufig steuerlich benachteiligt werde.

Es beginnt, so Ulrich Hocker, Geschäftsführer der DSW vor der Presse, mit der Vielzahl der Doppelbesteuerungsabkommen. Es sei nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Und trotz dieser Doppelbesteuerungsabkommen würden sich deutsche Aktionäre ausländischer Unternehmen schlechter stellen. So müssten die Anteilseigner auf Dividenden häufig mehr als die 15-prozentige Quellensteuer zahlen, die sie sich nach den Abkommen auf ihre Steuerlast in Deutschland anrechnen lassen können. Dies ist das Ergebnis einer Studie, von DSW und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Berücksichtigt wurden hierbei alle Gesellschaften, die vom Euro Stoxx erfasst werden.

Wolle insbesondere der Kleinanleger, von dem ausländischen Staat dann die über die 15 Prozent hinausgehenden Steuern zurück erhalten, gestalte sich dies mitunter äußerst schwierig. Jedes Land habe eigene Erstattungsmodalitäten mit jeweiligen Formularen. Hocker forderte deshalb eine Harmonisierung zumindest innerhalb der Europäischen Union. Es könne nicht sein, dass für jede Ausschüttung eigene Berater eingestellt werden müssten, um die steuerliche Behandlung von Dividenden am Stammsitz des Unternehmens zu erkunden. Auch sollten die Sätze für die Quellensteuer angepasst, und in allen elf Euro-Ländern 15 Prozent betragen.

Mehr als 15 Prozent Quellensteuer erheben derzeit in Europa Italien, Irland, Portugal, Spanien und die Niederlande. Im Falle Italiens muss der deutsche Investor zudem häufig mehrere Jahre auf die Steuerrückerstattung warten. In Frankreich verkomplizieren Sonderausschüttungen der Unternehmen die Lage. So waren auch die Probleme, die sich rund um die Hauptversammlung der Aventis S.A. ergaben, der eigentliche Auslöser für die Erstellung der Untersuchung, so Hocker.

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