Auslandsbanken zum Brexit : Noch keine Entscheidungen gegen London

„Wir wissen nicht was kommt", sagen die Auslandsbanken. Zwei Jahre Austrittsverhandlungen seien viel zu kurz, sie würden eine Übergangsfrist brauchen.

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Die Skyline von London.
Die Skyline von London.Foto: dpa

Die Auslandsbanken tappen mit Blick auf den Brexit, die Konsequenzen für ihr Geschäft und für möglicherweise notwendige Verlagerungen von Einheiten aus London an Finanzplätze in der EU weiter weitgehend im Dunkeln. Daran ändert auch das Votum des britischen Parlaments für den Austritt und der offizielle Antrag in Brüssel vermutlich Ende März wenig. Die Institute versuchten sich zwar vorzubereiten, aber faktisch sei völlig unklar, was bei den auf zwei Jahre angesetzten Austrittsverhandlungen herauskomme. „Wir wissen nicht was kommt“, sagte Stefan Winter, Vorsitzender des Verbandes der Auslandsbanken am Dienstag in Frankfurt. „Wir wissen nur, dass zwei Jahre Zeit für eine Umstellung für die wenigsten Institute ausreichen. Wir brauchen Übergangsfristen“. Nur so könne eine mögliche Verlagerung von Geschäft etwa nach Frankfurt geregelt werden.

Aber auch diese Aussage macht der Deutschland-Chef der Schweizer Großbank UBS unter Vorbehalt. „Konkret kann ich heute eigentlich keine Entscheidung treffen, weil ich nicht weiß, was in zwei Jahren in den Verträgen steht“. Deshalb müssten die Banken verschiedene Varianten vorbereiten. Ohne konkrete Namen zu nennen, sagt Winter, dass einige Institute in zeitlicher Nähe zur Antragstellung Londons in Brüssel Entscheidungen treffen würden. Das müsse aber sensibel gehandhabt werden, weil es Mitarbeiter, Geschäftspartner, die Politik und auch die Aufsichtsbehörden treffe.

Ob Frankfurt letztlich vom Brexit profitiere, weil Institute Einheiten von der Themse an der Main verlegen, will Winter nicht sagen. Schließlich buhlen auch andere Finanzplätze wie Paris, Dublin oder Amsterdam Brexit-geschädigte Banken. Der deutsche Finanzplatz hat in seinen Augen aber gute Chancen, auch deshalb weil die hessische Landesregierung, die Bundesregierung und die Finanzaufsicht BaFin den Diskussionsprozess in den Banken sehr konstruktiv begleiten würden. Vor allem die BaFin verhalte sich extrem positiv. Unabhängig vom Brexit sieht Winter Interesse am Finanzplatz Deutschland bei Banken aus Spanien, der Schweiz, dem Iran und aus asiatischen Ländern.  

Auch beim von Auslandbanken mit Blick auf hochbezahlte Top-Banker kritisierte, zu strikte deutsche Arbeitsrecht gebe es Bewegung. „Um es klar zu sagen: Es geht uns nicht um die Aufweichung des Kündigungsschutzes in Deutschland“, betont Winter. „Aber wir denken schon, das Mitarbeiter mit deutlich über dem Schnitt liegenden Einkommen so behandelt werden können, wie sie international behandelt werden, denn nicht zuletzt aus diesem Grund werden diese Gehälter ja auch bezahlt.“ Top-Investmentbanker in London oder New York können jederzeit ihren Job verlieren, wenn sie die geforderte Leistung nicht bringen. Dies ist ihnen aber sehr wohl bewusst.

Winter tritt generell Erwartungen entgegen, Banken könnten London massenweise den Rücken kehren. „75 Prozent des Geschäftes in London zielt auf Asien, den Mittleren Osten und Amerika, nur 25 Prozent auf die EU“. Diese Geschäfte sind nach dem Brexit und dem Abschluss der auf zwei Jahre angesetzten Verhandlungen von London aus nicht mehr möglich, weil ihnen der Zugang von dort zur EU dann nicht mehr möglich ist. „London bleibt aber trotz Brexit weiter ein wichtiger internationaler Handels- und Finanzplatz“.

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