Wirtschaft : Auslandsgeschäft rettet die Autoindustrie Verkauf im Inland bleibt ohne Schwung

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Automobilhersteller revidieren ihre Jahresprognose nach unten. Abhaken möchte Verbandspräsident Bernd Gottschalk das Autojahr 2004 zwar noch nicht. Aber nach sechs Monaten steht fest, dass das Geschäft im Inland wesentlich holpriger läuft als vom Branchenverband VDA im Januar erwartet. Bislang war der Verband von 3,35 Millionen Kfz-Neuzulassungen in diesem Jahr ausgegangen. Jetzt senkt er seine Prognose aufgrund der anhaltend flauen Konjunktur und der Zurückhaltung der Autokäufer auf nur noch 3,24 Millionen. Das heißt Stagnation. Allein ein neuer Rekord im Exportgeschäft hat im ersten Halbjahr dafür gesorgt, dass die Produktion der deutschen Automobilhersteller mit 2,7 Millionen Fahrzeugen fünf Prozent höher lag als im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum.

„Wir hatten im ersten Halbjahr einen doppelt gespaltenen Markt“, sagte Gottschalk am Dienstag in Frankfurt. Absatz und Bestellungen von Nutzfahrzeugen zeigten deutlich nach oben und der Pkw-Export erreichte Rekordmarken, während die Belebung im Inland ausgeblieben sei. In Deutschland gingen die PkW-Neu-Zulassungen um ein Prozent auf 1,65 Millionen zurück. Dafür legte der Export um fünf Prozent oder 120 000 Fahrzeuge auf 1,92 Millionen Autos zu. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen im Vorjahresvergleich um sieben Prozent zu. Allein im Juni kletterte die Ausfuhr um 26 Prozent. Deshalb rechnet der VDA damit, dass die Prognose vom Januar von 3,7 Millionen exportierten Pkw bis Jahresende sogar noch übertroffen wird. „Das Exportventil hilft uns ein weiteres Mal trotz der Inlandsdelle ein kräftiges Produktionsplus zu erreichen", betont Gottschalk.

Für das Inlandsgeschäft ist der VDA-Präsident skeptisch, nachdem die Branche jetzt im vierten Jahr hintereinander mit sinkenden Verkaufszahlen kämpft. Er warnt deshalb davor, den Verbrauchern weitere Belastungen in Form von höheren Abgaben oder Steuern aufzubürden. Wegen des boomenden Exports ist die Beschäftigung in der Automobilindustrie und bei den Zulieferern mit 775 400 stabil. Das waren 5 000 mehr als ein Jahr zuvor.

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