Wirtschaft : Auslandskäufer treiben den Dax

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Der starke Euro scheint den Börsianern keine Kopfschmerzen mehr zu bereiten: Der Dax steigt beinahe im Gleichschritt mit dem Kurs der Europäischen Gemeinschaftswährung. Seit Anfang September haben der Euro und der Aktienindex je rund neun Prozent zugelegt. Der Euro stabilisierte sich am Donnerstag über 1,21 Dollar. Der Dax peilt die Marke von 3900 Punkten an. Haben sich die Sorgen der Exporteure verflüchtigt, die unter einem schwachen Dollar leiden? Wer kauft jetzt deutsche Aktien, obwohl der Dax seit März schon 75 Prozent zugelegt hat?

„Es gibt keine kurzfristige 1:1Logik zwischen Euro- und Aktienkurs“, sagt Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus&Burkhardt. Im Moment ließen sich die Finanzmärkte noch von guten Konjunkturdaten aus den USA beeindrucken, wo sich auch der Arbeitsmarkt langsam erhole. Deshalb könne der Dax bis zum Jahresende noch auf 4000 Punkte steigen. „Aber sollte der Euro über 1,20 Dollar bleiben, sind die Sorgen der Exportwirtschaft langfristig berechtigt.“ Im ersten Quartal 2004, so Borghoff, drohe ein Rückschlag: „Bei vielen Unternehmen läuft die Absicherung des Währungsrisikos aus – dann schlägt der Euro voll auf die Gewinne durch.“ Ein Rückfall bis auf 3500 Dax-Punkte sei denkbar. Die Frage, wie stark die US-Wirtschaft tatsächlich sei, werde die Börse dann noch stärker als heute bewegen. „Den Höhepunkt der Wachstumsdynamik haben wir wahrscheinlich schon erreicht“, warnt der Experte.

Wer kauft angesichts der Risiken Aktien? Dass die Käufer bei Privatanlegern zu suchen seien, „dürfen wir getrost bezweifeln“, glaubt das Marktforschungsinstitut Cognitrend. Es seien vielmehr langfristig orientierte, ausländische Anleger aktiv. Die versprechen sich nicht nur Aktiengewinne, sondern wegen des weiter steigenden Eurokurses eine „schöne Zusatz-Performance“. Denn selbst bei unveränderten Kursen verdient der Dollar-Anleger Geld. mot

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