Wirtschaft : Auslandsreisen nur noch im Notfall

ROLF OBERTREIS

Deutsche Bank tritt scharf auf die Kostenbremse / Schlechtere Zahlen als die KonkurrenzVON ROLF OBERTREIS

FRANKFURT (MAIN).Vorstandssprecher Rolf Breuer spricht von einem Alarmsignal."Wir müssen ganz energisch auf die Bremse treten", sagt er mit Blick auf die dramatische Kostenentwicklung bei der Deutschen Bank.Die Mitarbeiter in der Zentrale und in anderen kundenfernen Bereichen müssen sich umstellen.Bei den Ausgaben dürfen ab sofort die Budgetansätze nicht mehr überschritten werden.Neueinstellungen sind tabu.Auslandsreisen sind nur noch im Notfall erlaubt und wenn, wird auch dort kräftig gespart.Nach London etwa gibt es für Deutschbanker nur noch das billigere Ticket nach Heathrow statt zum City-Airport und das auch nur in der "Holzklasse".Um ein Fünftel sollen die Reise- und Repräsentationsausgaben noch 1997 gedrückt werden. Im ersten Halbjahr sind die Kosten des größten deutschen Geldhauses je nach Berechnungsmethode um bis zu 27 Prozent in die Höhe geschossen.Mit 8,9 Mrd.DM hat man soviel ausgegeben wie im gesamten Geschäftsjahr 1990."Von 4 DM, die eingenommen werden, sind fast 3 DM gleich wieder ausgegeben", heißt es in der neuesten Ausgabe der Mitarbeiter-Zeitschrift "Forum".Bereits Ende Juli hatte Breuer angedeutet, daß sich die Zahl der Mitarbeiter in den zentralen Bereichen verringern könnte."So schlechte Zahlen sind weder bei unseren inländischen, geschweige denn unseren internationalen Konkurrenten zu finden", klagt Breuer. In einem Kostenausschuß unter seiner Leitung wurde bereits ein Konzept festgezurrt, mit dem ab 1998 jährlich 1 Mrd.DM pro Jahr gespart werden soll.Verringert werden sollen die Handelsräume in aller Welt.Die Deutsche Bank will künftig nur noch an fünf Plätzen mit eigenen Büros vertreten sein, derzeit sind es noch 35.Die Zentrale in Frankfurt (Main), die Hauptfilialen und die zentralen Büros in Übersee sollen genau durchleuchtet werden, um Doppelarbeit und Ineffizienz auszuschalten.Eigens dafür hat die Deutsche Bank die Unternehmensberatung Roland Berger engagiert.Daneben sollen langfristig Tochterunternehmen zusammengefaßt werden.Eine neue Organisation im Konzern soll ebenfalls für Kostenentlastung sorgen. Details über das neue Kostenmanagement will Pressesprecher Walter Schumacher nicht preisgeben.Wie die Maßnahmen umgesetzt würden, sei Sache der Bereiche und der Tochtergesellschaften.Das Controlling werde die laufenden Ausgaben überwachen.Fest steht allerdings, daß die Filialen und die Vertriebsbereiche von den Sparmaßnahmen ausgenommen sind."An der Front ist genug gespart worden.Wir sind in etwa da, wo wir hin wollten", betont Breuer.

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