Auslandsreisen : Sicherheitslage verändert Touristenströme

Die Terroranschläge der vergangen Monate haben ihre Spuren hinterlassen - auch im Reiseverhalten der Deutschen.

Sebastian Gluschak

Spanien profitiert

Spanien inklusive der Balearen und Kanaren steht seit Jahren an der Spitze der ausländischen Reiseziele der Bundesbürger: laut dem ADAC Reisemonitor planen in diesem Jahr 14 Prozent der Deutschen einen Spanien-Urlaub. „Deutsche fühlen sich in Spanien wie zu Hause“, sagt Manuel Butler, Direktor des spanischen Fremdenverkehrsamtes in Berlin. Er verweist auf Deutschkenntnisse beim Personal, günstige Flugverbindungen, bekannte Hotelketten. Seit 2012 steigt die Zahl der Übernachtungen fast jedes Jahr um fünf Prozent. Die Sicherheitslage sei dabei ein Faktor: „Deutschland und Spanien profitieren als Reiseziel am meisten von den Anschlägen weltweit“, meint Butler. Die erhöhte Nachfrage habe aber Auswirkungen auf die Preise. In diesem Jahr müsse man mit einem kleinen Anstieg rechnen.

Auch Nachbar Österreich verzeichnet bei den Buchungen ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Deutschen stellen die größte Touristengruppe in der Alpenrepublik. Auch Holger Lenz von VisitBritain berichtet über steigende Nachfrage: „Die Besucherzahlen in Schottland und Irland steigen stark – London wird nach den Anschlägen eher gemieden“. Das schwache Pfund könnte für weitere Zuwächse sorgen.

Türkei verliert

Laut Stiftung für Zukunftsfragen lässt sich eine zunehmende Zukunftsangst bei den älteren Generationen hierzulande beobachten, was deren Ausgaben für Erlebniskonsum einschränkt. Für die Reiseziele heißt das konkret: es gibt auch Verlierer.

Der größte davon heißt in diesem Jahr Türkei. Bereits 2015 hatte eine ADAC-Umfrage ergeben, dass die Zahl der Bundesbürger, die eine Türkei-Reise planen, um 50 Prozent gesunken ist. Und das war noch vor dem Terroranschlag auf Istanbuls Flughafen, vor dem Putschversuch und den Reaktionen von Präsident Erdogan. Doch formal warnt das Auswärtige Amt noch nicht vor Türkeireisen, auch die Veranstalter nicht. Ralf Schiller, Geschäftsführer des Reiseveranstalters, bestätigte dem Tagesspiegel in einem Interview: „Nach dem gescheiterten Putsch halten sich die Neubuchungen in Grenzen – aber die Türkei wird zu alter Stärke zurückkehren.“. Auch Ägypten, Marokko und Tunesien beklagen seit Beginn des Arabischen Frühlings (2010) empfindliche Rückgänge. Auch das von Anschlägen hart getroffene Frankreich verliert deutsche Gäste. Hatten 2015 noch 5,6 Prozent einen Urlaub jenseits des Rheins geplant, waren es in diesem Jahr nur 3,5 Prozent.

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