Wirtschaft : Auslandsschulden: Russland bittet um Aufschub

bz/mbr

Russland will vorerst nicht auf den internationalen Kapitalmarkt zurückkehren. Die Regierung werde voraussichtlich auch im nächsten Jahr keine Fremdwährungsanleihen begeben, sagte Ministerpräsident Michail Kasjanow im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ursprünglich wollte Russland spätestens 2001 neue Eurobonds auflegen. Höhere Erdöleinnahmen hätten dem Land jedoch mehr Spielraum verschafft. Neue Eurobonds will Russland erst auflegen, wenn niedrigere Anleihezinsen absehbar sind: "Das Kreditrating Russland hat sich noch nicht genug verbessert", betonte Kasjanow. So lange Russland für Fremdwährungsanleihen zwischen elf und 13 Prozent bezahlen müsse, sei die Mittelaufnahme zu teuer. Im kommenden Jahr will Russland die Unternehmenssteuern, das Bankwesen sowie die so genannten natürlichen Monopole im Strom-, Gas- und Eisenbahnsektor reformieren, um das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren, sagte Kasjanow. Russland erwartet in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 5,5 Prozent nach 3,2 Prozent im vergangenen Jahr. Trotz dieser positiven Zahlen und der hohen Einnahmen aus dem Ölexport belaste jedoch der Schuldendienst gegenüber dem Ausland zu stark. Daher wolle Russland seine Gläubiger für das kommende Jahr um eine Verringerung des Schuldendienstes bitten. Eine Amnestie für Steuerhinterzieher werde es nicht geben, sagte der Premier. Allerdings enthalte die von 2001 an gültige Steuerreform Elemente einer Amnestie. Weltweit einmalig führt Russland einen einheitlichen Lohn- und Einkommenssteuersatz von 13 Prozent ein. Wegen dieser niedrigen Steuerbelastung sei es für Kapitalflüchtlinge jetzt lohnend, ihr Geld wieder zurück zu bringen. Russland brauche einen Kompromiss mit westlichen Gläubigern: Im Haushalt 2001 dürften nicht mehr als 25 Prozent der Ausgaben auf die Bedienung und Tilgung der Auslandsschulden entfallen. Dies lasse sich nur erreichen, wenn Deutschland als größter Gläubiger einer Umschuldung zustimmt.

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