Wirtschaft : Auslieferung in Deutschland geplant - Protest in Frankreich

Die Neuordnung der Arbeitsteilung beim europäischen Flugzeughersteller Airbus hat in Frankreich Unruhe ausgelöst. Die Tageszeitung "La Croix" berichtete am Donnerstag, das geplante europäische Großflugzeug A3XX solle zwar in Toulouse flugfähig montiert, aber in Hamburg fertiggestellt und ausgeliefert werden. Das Blatt berief sich auf ein Schreiben der Airbus-Großaktionäre an den deutschen Luftfahrt-Koordinator Siegmar Mosdorf. Zudem solle die Produktion des Mittelstrecken-Airbus A320 komplett von Toulouse nach Hamburg verlegt werden, hieß es weiter. In Deutschland und Frankreich wurde umgehend mitgeteilt, es sei noch nichts entschieden. Dasa-Sprecher Christian Poppe sagte, die zitierten Dokumente seien weder verschickt noch unterschrieben worden.

"La Croix" berichtete von wachsender Unruhe am Luftfahrtstandort Toulouse mit Blick auf die anstehenden Aufteilung der Airbus-Produktion. Vertraute des französischen Premierministers Lionel Jospin befürchteten "Panikreaktionen" von Gewerkschaften und Politikern. Jospins Wahlkreis in Cintegabelle liegt nur etwa eine halbe Autostunde von Toulouse entfernt. Der Bürgermeister von Toulouse, Dominique Baudis, forderte "ein klares Dementi" der Pariser Regierung. Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot sagte, der Zeitungsbericht sei "mit Irrtümern behaftet". Gayssot verwies auf "langwierige und komplexe Verhandlungen".

Der Riesen-Airbus A3XX soll dem Superjumbo 747 des US-Konzerns Boeing Konkurrenz machen. Nach bisherigen Plänen soll das zweistöckige europäische Großraumflugzeug in verschiedenen Versionen mit 555 bis 656 Sitzen angeboten werden. Spätere Versionen sollen mehr als 800 Passagieren Platz bieten. Das größte Boeing-Modell B-747-400 hat höchstens 524 Sitze. Die Investitionen für das Riesenflugzeug werden 24 Milliarden Mark veranschlagt.

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