Wirtschaft : Außenhändler erwarten mehr Umsatz - Binnenhandel entwickelte sich unterdurchschnittlich

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Die deutschen Groß- und Außenhändler blicken optimistischer ins Jahr 2000. In einer Stimmungsumfrage im Januar gaben 59 Prozent der 300 befragten Unternehmer an, sie rechneten mit steigenden Umsätzen. Vor fünf Monaten waren es nur 44 Prozent, sagte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Einzelhandels (BGA), Michael Fuchs, am Dienstag in Berlin. Dennoch warnte er vor einer Überbewertung: "Das ist ein Silberstreif am Horizont - mehr nicht", sagte Fuchs. Nur 20 Prozent der Unternehmer würden ihre Stimmungslage als gut bezeichnen.

Die positive Entwicklung beim Umsatz spiegele sich auch in der Ertragsentwicklung wieder, sagte der BGA-Präsident. Nach 32 im Vorjahr erwarten jetzt wieder 38 Prozent der Unternehmer steigende Umsätze. Nur 15 Prozent gehen davon aus, dass der Umsatz im laufenden Jahr zurückgehen wird. Mit steigenden Investitionen rechnen 31 Prozent der Befragten (1999: 39 Prozent). Die positive Umsatz- und Ertragsentwicklung wirke sich auch positiv auf die Beschäftigungserwartungen aus. 25 Prozent der Unternehmer gingen davon aus, dass die Beschäftigung 2000 zunehmen werde, nach 19 Prozent im vergangenen Jahr.

Laut Fuchs ist der konjunkturelle Aufschwung vor allem vom Außenhandel getragen, während sich der Binnenhandel unterdurchschnittlich entwickelt. Dementsprechend bezeichneten 26 Prozent der Außenhändler ihre wirtschaftliche Situation als sehr gut oder gut, während das bei nur 19 Prozent der Großhändler der Fall sei. Das Ergebnis zeige, dass die deutsche Konjunktur noch weit von einem selbsttragenden Aufschwung entfernt sei, sagte Fuchs.

Der Groß- und Außenhandel sei durch die Ökosteuer erheblich belastet worden. Der Verband hält die Steuer für verfassungswidrig, da sie gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoße. Während das produzierende Gewerbe von niedrigen Ökosteuersätzen profitiere, würden Handel und Dienstleistungen voll zur Kasse gebeten. Der BGA erwäge daher eine Verfassungklage.

Fuchs sprach sich für eine Beteiligung des Handels am Bündnis für Arbeit aus. Eine Mehrheit der Unternehmen (63 Prozent) rechne aber nicht damit, dass das Bündnis das richtige Instrument sei, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Trotzdem forderten zwei Drittel der Befragten eine Fortsetzung der Bündnisgespräche. Sollten die Gewerkschaften Lohnabschlüsse über dem Produktivitätszuwachs erzwingen, bedeute dies das Ende des Bündnisses, warnte Fuchs. Von der nächsten Tarifrunde hänge auch das Wirtschaftswachstum ab, sagte Fuchs. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Wachstum von zwei Prozent. Die "fünf Weisen" gehen dagegen von 2,6 Prozent aus.

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