Außenhandel : China hängt Deutschland beim Export ab

Der ehemalige Exportweltmeister Deutschland ist zu Jahresbeginn unerwartet weiter zurückgefallen. Die Ausfuhren sanken im Januar im Vergleich zum Vormonat um 6,3 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Der Rückschlag war damit so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Analysten hatten eine leichte Steigerung erwartet.

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Berlin - Dabei zeigte sich vor allem ein Rückgang der Nachfrage aus europäischen Ländern. „Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich insbesondere in Südeuropa, wo die Investitionszurückhaltung negativ auf die Nachfrage nach deutschen Produkten durchschlug“, sagte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Offenbar kommt damit die Haushaltskrise in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal bereits in Deutschland an.

Der neue Exportweltmeister China eilt dagegen mit großen Schritten voraus. Die Ausfuhren des bevölkerungsreichsten Landes der Erde stiegen im Februar im Jahresvergleich nach staatlichen Angaben um knapp 46 Prozent, während Deutschland im Januar im Jahresvergleich nur auf ein Plus von 0,2 Prozent kam. China steigerte die Ausfuhren in die Europäische Union binnen Jahresfrist um mehr als ein Drittel, in die USA immerhin um gut ein Fünftel.

Experten in Deutschland und China bemühten sich, die Zahlen als Ausnahme zu bewerten. „Wir sollten nicht zu viel in den massiven Anstieg auf Jahressicht hineininterpretieren“, sagte Lu Zhengwei von der Industrial Bank in Schanghai. Aus Deutschland gab es ähnliche Stimmen: „Die weiter wachsende Weltwirtschaft und die sich bis zuletzt aufhellenden Exporterwartungen der Unternehmen deuten darauf hin, dass in den kommenden Monaten die Exporte wieder zulegen werden“, urteilte die Commerzbank. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sprach auch mit Blick auf den zuletzt gestiegenen Auftragseingang von einer „kurzfristigen Winterflaute“. Das Münchner Ifo-Institut sieht es ähnlich. „Der aktuelle Rückgang macht vor allem deutlich, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, sagte Konjunkturchef Kai Carstensen dem „Handelsblatt“.

Auch der Maschinenbau, der gut 70 Prozent seiner Produkte ins Ausland verkauft, gab sich gelassen. „Wir haben immer gesagt, dass der Weg zu einem wirklichen Aufschwung holprig sein wird“, sagte ein Sprecher des Branchenverbands VDMA auf Anfrage. Die Konjunktur bleibe störanfällig, vor allem großen europäischen Märkten fehle es an Schwung. In China, Indien und Brasilien gehe es dagegen aufwärts. „Unsere Grundeinstellung war immer, dass die Erholung aus dem Ausland kommt, und daran hat sich nichts geändert.“

Bei einigen Ökonomen herrscht die Sorge, das Wirtschaftswachstum könne nach der gerade überstandenen Rezession schon wieder nachlassen. „Das erste Quartal wird sehr schwach werden“, warnte der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide. „Im Moment sieht es nach einem Minus aus – auch weil Schnee und Frost die Bauproduktion erheblich behindert haben.“ Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Christoph Schmidt muss sich Deutschland an ein Auf und Ab beim Bruttoinlandsprodukt gewöhnen. Die Arbeitslosigkeit könne absehbar steigen.

Deutschland war sechs Jahre in Folge stolzer Exportweltmeister – diese Orientierung wird heute von Gewerkschaften und weiten Teilen der SPD kritisiert.

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