Außenhandel : Exporte legen überraschend zu

Trotz des weltweiten Wirtschaftsabschwungs laufen die deutschen Exporte noch überraschend gut. Die Aussichten sind wegen der Finanzmarktkrise und der nachlassenden Nachfrage in den wichtigsten Absatzmärkten aber düster.

WiesbadenDie Industrieproduktion sank im September bereits stärker als erwartet. Beim Export verkauften deutsche Firmen im September mit einem Wert von 87,1 Milliarden Euro 6,9 Prozent mehr Waren ins Ausland als im Vorjahr, meldete das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden. Damit übertrafen die Ausfuhren die Erwartungen.

Dem Export droht aber eine Vollbremsung: Der Außenhandel wird in den kommenden Monaten nach Einschätzung des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) mit einer Delle konfrontiert. Die Verschärfung der Kreditvergabe an Firmen wird laut BGA die Exporte zusätzlich dämpfen.

Importe schmälern Überschuss

Im dritten Quartal ist die deutsche Wirtschaft trotz der gestiegenen Exporte wohl nicht mehr gewachsen. Die starke Zunahme der Importe - deren Wert vor allem wegen höherer Öl- und Gaspreise zulegte - hat den Überschuss in der Außenhandelsbilanz geschmälert. Zudem dürften die Firmen weniger investiert haben. Schwache Einzelhandelszahlen und die eingebrochenen Autoverkäufe verweisen auf einen nachlassenden Konsum. Im September ging die Industrieproduktion um 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, teilte das Wirtschaftsministerium am Freitag in Berlin mit.

Nach Prognosen von Volkswirten hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Vierteljahr stagniert oder ist leicht geschrumpft. Die genauen Zahlen veröffentlicht das Amt am kommenden Donnerstag. Schon im Frühjahr war das BIP zum ersten Mal seit knapp vier Jahren um minus 0,5 Prozent zurückgegangen.

Mehr Exporte ins ferne Ausland

"Die deutsche Wirtschaft wird von der allgemeinen Abkühlung in Mitleidenschaft gezogen", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Für das gesamte Jahr erwartet er einen Exportzuwachs von vier Prozent nach 7,5 Prozent im Vorjahr - nach den ersten neun Monaten summiert sich das Plus laut Statistischem Bundesamt auf 6,2 Prozent.

Im September stiegen die Einfuhren deutlich stärker als die Ausfuhren mit einem Plus von 14,1 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Überschuss in der Außenhandelsbilanz - dem Saldo von Exporten und Importen - sank von 18,2 auf 15 Milliarden Euro. Aufgeteilt nach Regionen legten die Ausfuhren ins entfernte Ausland deutlicher zu (plus 8,2 Prozent) als die Exporte in die europäischen Nachbarländer (plus 6,2 Prozent). Im August waren die Exporte mit minus 2,2 Prozent so stark geschrumpft wie seit fünf Jahren nicht. (imo/dpa)

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