Wirtschaft : Außenhandel sieht keinen Aufschwung

Unternehmen geben der Politik Schuld an schlechter Lage / Verband erwartet Besserung erst im kommenden Jahr

NAME

Berlin (brö). Einen tief greifenden Aufschwung und eine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt wird es in Deutschland nach Ansicht des Groß- und Außenhandels vorerst nicht geben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 1029 Unternehmen der Branche, die der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) am Dienstag in Berlin vorstellte. „Es ist kein Aufschwung in Sicht“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. Der Verband korrigierte seine Wachstumsprognose nach unten. Vor der Bekanntgabe des Ifo-Geschäftsklima-Index am Mittwoch sagten Volkswirte, eine starke Belebung der Wirtschaft lasse auf sich warten. Darauf deuten auch neue Daten zum Verbrauchervertrauen aus den Vereinigten Staaten hin.

Drei von vier Unternehmen des Groß- und Außenhandels beurteilten in der Umfrage von Anfang August die wirtschaftliche Entwicklung als schlecht. Nur ein Viertel von ihnen erwartet für dieses Jahr bessere Umsätze, ergab die Befragung. „Der deutsche Großhandel befindet sich in einer Rezession“, befand Börner. Fast neun von zehn Firmen planten keine Neueinstellungen in diesem Jahr. Der BGA senkte daraufhin seine Wachstumsprognose für 2002. Hatte sie im April noch bei 0,9 Prozent gelegen, senkte der BGA sie im Juni auf 0,6 und nun auf 0,5 Prozent. Für 2003 rechneten die meisten Firmen mit einer Stagnation.

Schuld daran ist dem BGA zufolge die Politik der rot-grünen Regierung. Bei einer besseren Wirtschaftspolitik wären auf mittlere Sicht Wachstumsraten von 3,5 bis vier Prozent möglich, sagte Börner. 70 Prozent der befragten Unternehmen seien der Ansicht, die Koalition habe den Wirtschaftsstandort verschlechtert und die Einkommen verringert. Sie habe es zudem versäumt, die Strukturen am Arbeitsmarkt aufzulockern und die Sozialsysteme zu reformieren. Auch müsse es eine deutliche Steuerentlastung geben.

Auch vom neuen Wert des viel beachteten Ifo-Geschäftsklima-Index erwarten Volkswirte kein Signal für eine tief greifende Änderung der Lage. Der neue Umfragewert, der als Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung gilt, wird am Mittwoch veröffentlicht. „Wir erwarten den dritten Rückgang in Folge, ein leichtes Absinken auf einen Wert von 89,6 Punkte“, sagte Ulrich Hombrecher, Chefvolkswirt der WestLB in Düsseldorf, dem Tagesspiegel. Entgegen der Faustregel sei dies aber kein Signal für eine Trendwende, doch der Aufschwung lasse auf sich warten. „Der Konjunkturmotor läuft, aber nur auf einem Zylinder“, urteilte Hombrecher. Auftragseingänge, der Konsum und die Investitionen seien noch zu schwach, zudem belasteten das Börsenklima und die unsichere Entwicklung in den USA. Auch Ralph Solveen von der Commerzbank in Frankfurt (Main) befürchtet einen Rückgang des Ifo-Klimas. „Der Optimismus über einen im Sommer einsetzenden Aufschwung war verfrüht“, sagte er. „Nun gewinnen die Pessimisten die Oberhand.“ Eine Rezession sei dennoch nicht zu befürchten – „der Aufschwung kommt eben später“, erwartet Solveen.

Keine Hilfe aus Amerika

Auch die Aussichten der US-Wirtschaft sind dürftig. Grund: Die Konsumfreude der amerikanischen Verbraucher nimmt immer mehr ab. Der Index zum Verbrauchervertrauen brach im August deutlich ein und sank auf ein Neun-Monats-Tief, wie das Privatinstitut Conference Board am Dienstag in New York mitteilte. Nach einem Stand von 97,4 Punkten im Juli erreichte er nun nur noch 93,4 Punkte. Experten achten stark auf das Verbrauchervertrauen, weil die US-Konsumenten mit ihren Einkäufen zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in Amerika stützen. Trotz der mäßigen Lage bei Konjunktur und Arbeitsmarkt waren die Bürger der USA in den vergangenen Monaten recht ausgabefreudig gewesen. Das zeigt sich auch in den Daten über die Bestellungen langlebiger Güter, die ebenfalls am Dienstag bekannt wurden. Die Aufträge stiegen so stark wie seit neun Monaten nicht, teilte das Handelsministerium in Washington mit. Der Anstieg um 8,7 Prozent im Monat Juli wurde getragen von den Bestellungen im Maschinenbau-Sektor und bei Transportmitteln, die länger als drei Jahre eingesetzt werden sollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar