Außenwerber : Ströer geht an die Börse

Das Außenwerbeunternehmen Ströer will im zweiten Halbjahr an die Frankfurter Börse. Der Konkurrent von Wall erwartet 275 Millionen Euro.

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Berlin - Der wichtigste Konkurrent der Berliner Wall AG geht an die Börse. Wie die in Köln ansässige Ströer Out-of-Home Media AG am Montag mitteilte, soll die Platzierung neuer Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung 275 Millionen Euro bringen. Mithilfe des Geldes soll unter anderem der Anteil an der türkischen Ströer Kentvizyon von 50 auf 90 Prozent erhöht werden. Ströer ist in Deutschland und der Türkei der größte Außenwerber; auf Platz zwei folgt in beiden Ländern die Wall AG.

Deren Vorstandschef Daniel Wall reagierte gelassen auf die Ankündigung des Kölner Marktführers, weil dessen Börsengang erwartet worden sei. Durch die Übernahme der DSM Deutsche Städte Medien und der Deutschen Eisenbahn Reklame GmbH vor einigen Jahren habe sich Ströer stark verschuldet und brauche nun frisches Kapital. Der Schuldenstand von Ströer wird in der Branche auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag geschätzt.

Sowohl Ströer als auch Wall betonten am Montag, die Wirtschafts- und Werbekrise überstanden zu haben. Der Umsatz des Marktführers erhöhte sich im ersten Quartal um 5,6 Prozent, in der Türkei sogar um 25 Prozent. Noch besser sind die Zahlen von Wall. Bis Mai gab es in Deutschland ein Plus um 18 Prozent und in der Türkei sogar um 30 Prozent, sagte Daniel Wall dem Tagesspiegel. „Es läuft gut, wenn es so weitergeht, übertreffen wir unsere Planzahl.“ Bislang ging das Berliner Unternehmen, das mehrheitlich dem französischen Decaux-Konzern gehört, von einem Umsatzwachstum um 3,5 Prozent in diesem Jahr aus.

Wall erwartet in den nächsten Jahren „einen knallharten Wettbewerb in Deutschland und in der Türkei“. Hierzulande sollen 2010 noch drei Ausschreibungen für die Städtereklame entschieden werden, und zwar in Mainz, Wiesbaden und Bielefeld. In diesen Städten ist bislang Ströer der Platzhirsch. Das waren die Kölner auch in Bremen, doch die dortige Ausschreibung gewann die Telekom, die sich neben Ströer und Wall als dritter großer Anbieter in Deutschland zunehmend profiliert.

Im Werbemarkt insgesamt wird der Außenwerbung ein großes Potenzial zugeschrieben. „Sie liefert schnell große Bilder und erreicht ein Massenpublikum“, erklärt Ströer-Chef Udo Müller. Einen besonderen Schub verspricht sich die Branche durch die Digitalisierung, die den Medienmarkt „revolutioniert“, wie Müller sagt. Digitale Medien an zentralen Punkten wie Bahnhöfen oder großen innerstädtischen Plätzen „können beispielsweise abhängig von Uhrzeit, Wochentag oder Wetter mit unterschiedlichen Werbeinhalten bespielt werden“. Auch würden auf Monitoren und Plakatwänden zunehmend bewegte Bilder zu sehen sein und die Werbung im städtischen Raum dadurch noch attraktiver.

Die Wall AG stellt am 9. Juli ihre ersten digitalen Werbeträger auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin vor. Das Berliner Unternehmen will sich mit einer Mischung aus Werbung, Information und Unterhaltung neue Kunden erschließen. Gemessen an Umsatz und Mitarbeiterzahl ist Wall etwa halb so groß wie Ströer. Die Kölner haben rund 1400 Mitarbeiter, bei Wall sind es etwa 750.

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