Wirtschaft : Aussicht auf Neuwahl hebt die Stimmung

Ifo-Institut: Unternehmen seit Monaten erstmals wieder zuversichtlicher – trotz der hohen Ölpreise

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Aussicht auf baldige Neuwahlen hat die Stimmung in den Unternehmen etwas aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklima-Index, einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren, stieg im Juni leicht an. Fachleute gehen nun von einer baldigen leichten Besserung der wirtschaftlichen Lage aus. An der Börse drückte allerdings der auf 61 Dollar gestiegene Ölpreis auf die Stimmung – der deutsche Aktienindex Dax büßte bis Börsenschluss 0,93 Prozent auf 4523,82 Punkte ein.

Zuvor war der Ifo-Index vier Mal in Folge gesunken – bereits drei Rückgänge hintereinander gelten als Beginn eines Abwärtstrends. Im Juni kletterte der Wert von 92,9 auf 93,3 Punkte. Auch der wichtige Teilindex für die Erwartungen im kommenden Halbjahr legte zu – von 92,3 auf 92,9 Punkte. Für die Berechnung des Index befragt das Institut monatlich rund 7000 Betriebe. Überraschend verbesserte sich auch das Klima im Groß- und im Einzelhandel. Auch die Erwartungen der Industrie für das Exportgeschäft hätten sich „leicht verbessert“. „Es ist allerdings zu früh, daraus bereits auf eine konjunkturelle Besserung in den nächsten sechs Monaten zu schließen“, dämpfte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die Erwartungen. Vergangene Woche hatte es bereits beim Konjunkturindex des Mannheimer Instituts ZEW ein Plus gegeben.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sieht nun seinen Konjunkturoptimismus bestätigt. Die Lage habe sich verbessert und zeige, dass „verdüstert scheinende Prognosen sich nicht bewahrheiteten“, sagte er in Berlin. Auch Ökonomen werteten die Ifo-Zahlen als gute Nachricht für den weiteren Jahresverlauf. „Es gibt Nachholbedarf bei den Investitionen und beim Konsum – das wird sich in der zweiten Hälfte 2005 bemerkbar machen“, sagte Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der Deka-Bank. Denkbar sei sogar, dass die ungewohnt guten Zahlen beim Handel „auf einen Confed-Cup-Effekt hindeuten“.

Auch Marco Bargel, Chefökonom der Postbank, rechnet damit, dass die „Talsohle durchschritten ist“. Dazu trage auch der auf 1,21 Dollar gesunkene Euro-Kurs bei. In diesem Jahr sei ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent möglich. Jedoch müsse für den Zeitraum zwischen April und Ende Juni mit einer Stagnation gerechnet werden, danach werde es besser. Die verfügbaren Einkommen der Bürger zögen wegen der sich entspannenden Arbeitsmarkt-Lage um bis zu 2,3 Prozent an. Der wieder erstarkte Dollar könne zudem bald zu sinkenden Ölpreisen führen.

Noch gilt allerdings das Öl als Risiko für die Konjunktur. Am Montagabend wurden teilweise 61,00 Dollar pro Barrel (159 Liter) an der New Yorker Rohstoffbörse erreicht – rund ein Dollar mehr als am Vortag. Als Grund führten Händler die Angst vor Versorgungsengpässen an – denn die Anlagen für Förderung und Verarbeitung liefen mit nahezu voller Kraft, freie Kapazitäten gebe es kaum.

Der rasante Ölpreisanstieg sorgt auch für steigende Importpreise hier zu Lande. Wie das Statistische Bundesamt berichtete, legten sie im Mai 2005 um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Ohne Erdöl und Mineralölerzeugnisse hätte der Index nur 0,7 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, berichteten die Statistiker weiter.

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