Ausspäh-Affäre : Ex-Telekom-Spitze war informiert

Die frühere Telekom-Führung soll über die Ausspionierung von Telefondaten besser informiert gewesen sein als bisher bekannt war. Der Recherchedienst soll noch kurz vor der Hauptversammlung Geld erhalten haben.

S. Louven[K. Slodczyk],S. Iwersen
Telekom
Im Bonner Telekom-Konzern sieht man die Spitzelaffäre mit Sorge. -Foto: dpa

BerlinAußerdem hat der von der Telekom beauftragte Recherchedienst Network.Deutschland noch kurz vor der Hauptversammlung am 15. Mai dieses Jahres Geld bekommen. Der Bonner Konzern wurde nach Informationen des „Handelsblatts“ von dem Berliner Unternehmen erpresst.

Die Network.Deutschland GmbH, die von dem Telekom- Mitarbeiter Klaus T. aus der Konzernsicherheit mit den Gesprächsabgleichen beauftragt wurde, drohte der Telekom per Fax, sich an die Medien zu wenden, wenn der Konzern nicht umgehend offene Rechnungen und Schadenersatz zahle. Nach Informationen des „Handelsblatts“ forderte Networks. Deutschland-Chef Ralph Kühn 650 000 Euro für bereits geleistete Arbeiten sowie Schadenersatz, weil ihm durch ausbleibende Aufträge der Telekom die Geschäftsgrundlage entzogen worden sei. Den Wert seines Unternehmen bezifferte er dabei auf zwölf Millionen Euro. Kühn war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Telekom wollte sich wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft dazu nicht äußern.

Kühn hat Jahre lang für die Telekom gearbeitet und auch zahlreiche legale Aufträge ausgeführt. Das Ausspähen von Telefondaten verstößt jedoch gegen das Datenschutz- und Fernmeldegesetz. Am Tag vor der Aktionärsversammlung in der Kölnarena überwies die Telekom Kühn nach „Handelsblatt“-Informationen 174 000 Euro. Im Konzernkreisen heißt es, man habe diesen Betrag bezahlt, weil er für legale Aufträge erbracht worden sei. Den Rest der Rechnung habe Kühn jedoch für weitere Telefonabgleiche des Projekte unter dem Decknamen „Clipper“ gefordert, obwohl die Telekom diese gar nicht mehr in Auftrag gegeben habe.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ ließen sich der damalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke und der einstige Aufsichtsrat-Chef Klaus Zumwinkel fortlaufend unterrichten. So hat Klaus T. Ricke und Zumwinkel mehrfach persönlich über die Ergebnisse seine Spähaktionen berichtet. Dazu war er mindestens zweimal im Post-Tower bei Zumwinkel. Bei diesen Treffen hat Klaus T. den Telekom-Chef und den obersten Kontrolleur zwar nicht über seine Methodik informiert. Er teilte aber mit, dass er herausgefunden habe, dass es Telefonate zwischen einem Aufsichtsrat und einem Journalisten gegeben habe. Dadurch habe Ricke und Zumwinkel klar sein müssen, dass Verbindungsdaten verglichen wurden, auch ohne dass dies ausdrücklich erwähnt worden sei, argumentiert Klaus T. gegenüber einem Vertrauten. Ricke gab am Wochenende zu, den Auftrag zum Aufspüren und Ausschalten einer undichten Stelle gegeben zu haben – die Methoden habe er aber nicht angeordnet.

Die Telekom hatte vor einer Woche eingeräumt, dass sie zwischen 2005 und 2006 Telefonverbindungsdaten mißbraucht hat. Auch mindestens einen Spitzel soll der Konzern in eine Redaktion eingeschleust, Bankdaten von Pressevertretern und Aufsichtsräten verglichen und per Handy-Daten Bewegungsprofile der verdächtigten Personen erstellt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Affäre löst im Telekom-Management größte Besorgnis aus: „Da tickt jetzt eine Zeitbombe“, sagt ein hochrangiger Manager. „Ich weiß nicht, ob wir sie rechtzeitig entschärfen können oder ob uns das Ding um die Ohren fliegt.“

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