Update

Ausstand der Piloten : Lufthansa-Passagiere müssen auf 1400 Flüge verzichten

Schon vor Beginn des Streiks waren bei der Lufthansa Flüge ausgefallen. 150.000 Fluggäste müssen sich Alternativen suchen. Die Bahn will eine sein.

Carsten Brönstrup
Beschäftigungslos werden die Check-in-Automaten der Lufthansa noch eine ganze Weile sein.
Beschäftigungslos werden die Check-in-Automaten der Lufthansa noch eine ganze Weile sein.Foto: Reuters

Die Piloten der Lufthansa haben am Mittag ihren mehrtägigen Streik begonnen. Rund 150.000 Flug-Passagiere sind davon betroffen, wie die Fluggesellschaft in Frankfurt am Main mitteilte. Wegen des Ausstands der Piloten streicht die Airline ab Montagmittag fast 1400 Flüge.

Es geht insgesamt um große Zahlen. 170 Millionen Euro hat die Lufthansa der Dauerstreit mit ihren Piloten bislang schon gekostet. Einlenken will sie trotzdem nicht. „Wir müssen konkurrenzfähig werden“, beteuerte ein Sprecher am Sonntag. Von zwei Seiten stehe man unter Druck – von den Billigfluglinien in Europa einerseits und den Staatsbetrieben aus den Golf-Ländern andererseits. Deshalb will Deutschlands Marktführer hart bleiben. „Einen Ausweg gibt es nicht.“

Germanwings fliegt nach Plan

Die Kunden müssen deshalb einen erneuten Streik in Kauf nehmen – es ist der neunte seit April. Seit Montagmittag legen die Piloten auf der Kurz- und Mittelstrecke die Arbeit nieder. Ab Dienstagmorgen um drei Uhr folgen die Langstrecken- und die Frachtflieger, und zwar bis Mitternacht. Das hatte die Piloten-Organisation Vereinigung Cockpit am Sonntag mitgeteilt.

Zu Ausfällen war es jedoch schon im Vorfeld gekommen, weil die Lufthansa Maschinen an bestimmten Flughäfen stehen lässt, damit sie nach Ende des Streiks schneller zum Regelbetrieb zurückkehren kann. Zudem wurden die verfügbaren Piloten in den Notflugplan eingetaktet.

Bei der Lufthansa-Billigtochter Germanwings, die einen Großteil der innerdeutschen Lufthansa-Verbindungen abwickelt, soll es keine Streiks geben. Kunden aus Berlin seien mithin nur betroffen, wenn sie zu den deutschen Drehkreuzen Frankfurt am Main oder München fliegen wollten, hieß es bei der Lufthansa weiter. Eine Liste der gestrichenen Flüge hält das Unternehmen auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Die Deutsche Bahn steht bereit

Fluggäste können wie schon bei den bisherigen Streiks ihre Tickets umbuchen oder stornieren und bekommen dann ihr Geld zurück. Wer ein Ziel innerhalb Deutschlands anpeilt, kann auf den Zug umsteigen. Dazu müssen Kunden aber ihr Ticket gegen einen Reisegutschein für die Bahn tauschen.

Die Deutsche Bahn will die Folgen für die Passagiere abmildern, indem sie an den Streiktagen in Frankfurt und München zusätzliches Personal zur Information der Reisenden einsetzt. Das teilte das Unternehmen in Berlin mit. Auch zusätzliche Züge könnten für besonders ausgelastete Strecken zum Einsatz kommen.

Piloten werfen Lufthansa Blockadehaltung vor

Cockpit teilte mit, „trotz aller Bemühungen um Kompromissvorschläge seitens der Piloten“ habe der Konflikt in mehreren Verhandlungsrunden seit Oktober nicht gelöst werden können. Das Management solle seine „Blockadehaltung“ aufgeben. Lufthansa hingegen unterstrich, man wolle keinem der 5400 Piloten Geld wegnehmen. Zudem habe es zuletzt Annäherungen gegeben, sowohl bei der Frage der Bezahlung als auch bei der besonders umstrittenen Übergangsversorgung für ältere Piloten.

Darum geht es im Grundsatz: Heute können die Piloten ab 55 Jahren in den bezahlten Vorruhestand wechseln. Sie erhalten in der Übergangszeit bis zur gesetzlichen Rente bis zu 60 Prozent ihrer bisherigen Bezüge. Das Unternehmen verlangt, dass dies erst ab einem Alter von 60 Jahren möglich ist. Darüber hinaus will Lufthansa mit einer neuen Struktur auf den schärferen Wettbewerb reagieren. Auch auf der Langstrecke soll es bald einen Billiganbieter geben – wo wie bei den Töchtern Eurowings und Germanwings der Konzerntarif nicht gilt. Cockpit warf der Lufthansa-Führung vor, „autokratisch“ entschieden zu haben, dass die Übergangsversorgung bei einer Nichteinigung mit den Piloten komplett wegfalle. Dies bedeute „einen radikalen Wandel in der bisherigen Führungskultur“.

Zumindest an Weihnachten soll es allerdings keine Arbeitskämpfe geben, versicherte Cockpit-Vorstand Jörg Handwerg. Das hat auch sein Gewerkschaftskollege Claus Weselsky, der die Lokführerorganisation GDL führt, versprochen. Vom 19. Dezember bis zum 11. Januar will er die 20.000 bei ihm organisierten Lokführer nicht zum Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn aufrufen. Womöglich aber vorher: Bis zum 4. Dezember will die GDL-Spitze um Weselsky den Stand im Tarifstreit bewerten. Streiks zwischen dem 4. und dem 18. Dezember hat die Gewerkschaft bislang nicht ausgeschlossen. Die konkurrierende Bahn-Gewerkschaft EVG wiederum will bis zum 12. Dezember stillhalten, wenn sie sich mit der Bahn zu neuen Verhandlungen trifft. Wie sie sich an den Feiertagen verhalten wird, hat sie noch nicht erklärt.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben